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MB W123

Auf dieser Seite erlaube ich mir, meinen treuen Benz vorzustellen.

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Mercedes Benz W123


Zur Geschichte: Irgendwann im Sommer 1987 wurde er von meinem Vater auserkoren, die Nachfolge des guten alten Ford Granada anzutreten, der bis dahin die Rolle der Familienkutsche innehatte. Nur leider war dieser nach nur 12 Jahren unheibar durchgerostet. Und so stand auf einmal der "Neue" in der Garage. Ich war neun und mein Vater hatte es tatsächlich fertiggebracht, ein Auto zu kaufen, das mit Hängen und Würgen vielleicht 140 fahren würde. Furchtbar! Und als wäre das alleine nicht schon schlimm genug, hatte er auf der Rückbank nicht nur weniger Platz sondern auch noch Anschnallgurte. Außerdem roch er irgendwie nach Neuwagen und davon wurde mir immer schlecht. Das Beste an ihm war noch, daß der Vorbesitzer irgendwas mit dem Phantasialand in Brühl zu tun hatte und ihm Freikarten für die ganze Familie mitgegeben hatte. Das war damals. Von da an leistete er ziemlich anspruchslos treue Dienste.

Ein weiterer wichtiger Einschnitt in seinem Leben dürfte dann einige Jahre später der Zeitpunkt gewesen sein, an dem die jüngere meiner beiden älteren Schwestern ihren 18. Geburtstag und somit zeitgleich ihren Führerschein hatte. Auf wilden nächtlichen Ausritten erlitt der Benz schnell erste Blessuren. Und genau das war dann der Zeitpunkt, an dem ich begann, mich näher mit dem Wagen auseinandezusetzen. Ich spachtelte und besserte aus, größtenteils noch gemeinsam mit meinem Vater. Erste Roststellen wurden dabei gleich noch mitausgerottet und es stellte sich heraus, daß der Vorbesitzer wohl recht gut wußte, warum er die Phantasialandkarten dazugepackt hatte. Der angeblich unfallfreie Wagen war an so ziemlich allen Karosserieteilen schon mal geflickt worden. Schnell wuchs mir beim Basteln der Wagen ans Herz und meine Basteleien schritten fort. Nachdem ich dann auch noch mein Schulpraktikum bei der örtlichen Mercedesniederlassung gemacht hatte, war ich plötzlich zu meiner großen Ehre für alle kleineren Wartungsarbeiten zuständig.

Im Sommer 1995 wurde dann aber selbst mein Vater dem guten Alten untreu. Die unausrottbaren schwarzen Rußfahnen, die er zeitweise hinter sich herzog und auch immernoch zieht, störten ihn auf einmal. Doch wußte er sehr wohl, daß es moralisch unerträglich wäre, das gute Stück zu verkaufen. So landete er denn erstmal im Garten, wo er das fehlende Jahr bis zu meinem Führerschein verbrachte. Schrecken überkam mich, als auf einmal zur Debatte stand, daß Ute den Benz übernehmen sollte, was wohl auf lange Sicht das Aus für den Guten bedeutet hätte. Doch dann bot sich glücklicher Weise noch der Fiat Panda meiner Tante an, die sehr froh war, ihren liebgewonnenen Begleiter nicht in fremde Hände abgeben zu müssen. Dieser wurde dann auch recht schnell böse zugerichtet. Natürlich stand der Benz im Garten nicht unbeachtet und als das Jahr fast vorbei war, sah er äußerlich fast aus wie neu. Noch vor meinem Geburtstag wurde er wieder angemeldet und Wilpi war der erste, der den Wagen nach langer Standzeit über eine längere Strecke pilotieren durfte. Es ging nach Holland, stilecht mit hängendem Kofferraum und beladenem Dach. Trotz "Bleifuß" fuhr er anfänglich bei übermäßigem Durst nur knapp 100 km/h, doch das Problem erledigte sich dank hartnäckigem Ignorieren schnell von alleine. Schon auf der Rückfahrt war alles wieder in Ordnung. Von da an erlebte der Wagen, einst von Ute auf "Heinz" getauft, seinen zweiten Frühling, und avancierte bald als "Der Benz" zu etwas kultähnlichem. Er tut immernoch und weiterhin treue Dienste. Im Herbst 2000 kam dann eine weitere Bewährungsprobe: Die schon länger geplante Marokko-Reise wurde zur Wirklichkeit, der Benz hatte stärkere Federn und einen stabilen Dachträger bekommen und mit drei Mann Besatzung ging es jenseits des "zulässigen Gesamtgewichts" los mit Ziel Westsahara. Auch auf dieser Reise ließ der Benz einige Frechheiten artig über sich ergehen und darf jetzt vielen weiteren Jahren in meiner Obhut entgegensehen.


Zur Technik: Davon gibt es nicht viel, Robustheit schon eher. Im Einzelnen:

Den Vortrieb besorgt ein Dieselmotor, der das Wahnsinnswerk vollbringt, aus 2 Litern Hubraum ganze 44kW/60PS zu mobilisieren, dafür aber auch unverwüstlich ist, auch mal ein paar Kilometer ohne Motoröl fährt und sich notfalls zur überaus umweltgerechten und grobpartikligen Entsorgung vieler brennbarer Flüssigkeiten eignet. Die gigantische Leistung wird über 4 Gänge auf die Hinterräder übertragen, was zu einer Höchstgeschwindigkeit von eingetragenen 135 km/h führt, laut Tacho sind bergab auch schonmal 150 drin. Die vom Leben nicht ganze verschonte Haut ist in zeitlos elegantem und mehr als originellem 737 classic weiß lackiert. Als Sonderausstattung hat der Erstbesitzer Servolenkung, Zentralverriegelung und eine elektrische Antenne geordert. Im Winter ´99 wurde ihm sein Tiefliegertum bei hoher Zuladung durch die Federn des W116 (S-Klasse 1972 - 80) an der Hinterachse abgewöhnt. Seitdem liegt er bei voller Zuladung so wie vorher leer ... . Im Sommer 2000 bekam er dann noch den Kühler aus dem 300D - vorherige Temperaturprobleme haben sich dadurch verflüchtigt - und den original von Benz erhältlichen Unterfahrschutz, der mittlerweile wohl schon etliche Ölwannen eingespart hat. Der Rest ist noch original und wird es wohl vorerst auch bleiben, da ab und an anstehende Reparaturen und die Herren vom Finanzamt schon genug Geld verschlingen.


Ein paar brauchbare Links zum W123 gibts hier!


Reisebericht Marokko und Westsahara


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