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Marokko 2000

Reisebericht

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31. August bis 11. Oktober

Marokko 2000 Besatzung
Die Besatzung


Karte: Marokko und WestsaharaReiseroute :

Ceuta - Martil - Tetouan - Chefchaouen - Ouazzane - Fès - Bir-Tam-Tam - Tafferte - Taza - Guercif - Outat-Oulad-El-Haj - Missour - Rich - Tymarine - Rich - Errachidia - Goulmima - Erfoud - Rissani - Alnif - Tazzarine - Tagounite - Mhamid - Zagora - Agdz - Ouarzazate - Foum-Zguid - Tissint - Tata - Akka - Icht - Bouizakarne - Tagant - Guelmim - Tan Tan - Abbeteh - Smara - Laayoune - Lemzid - Boujdour - Dakhla - Boujdour - Lemzid - Laayoune - Bou Craa - Tarfaya - Tan Tan - Guelmim - Bouizakarne - Tka Akhsass - Tiznit - Bge Youssef Ben - Agadir - Taroudannt - Tizi-n-Test - Asni - Marrakech - Ben Guerir - Casablanca - Rabat - Kenitra - Ksar-el-Kebir - Tanger


Tagebuch :

Ein großer Schriftsteller bin ich sicherlich nicht, will ich aber auch gar nicht werden. Im folgenden habe ich lediglich mehr oder minder genau das Tagebuch abgetippt, das ich während der Reise geschrieben habe. Ich hoffe, es läßt sich einigermaßen gut lesen. Falls nicht, gibt es noch die reine Bilderseite.


Teil 1 (31. August bis 11. September)


31. August

Bis zur letzten Minute war unsicher, ob die Reise denn heute beginnen konnte. Um 11 Uhr gab es dann endlich das ersehnte grüne Licht - heute sollte es also losgehen. Um die Mittagszeit trafen wir uns dann, begannen das Auto zu beladen, ein paar Stunden mußte man wohl dafür einplanen, aber gegen 17 Uhr sollte es schon losgehen können, dachten wir. Nach einigem Hin und Her ging es dann erst nach 22.00 los in Richtung Waldkirch/Schwarzwald, wo wir für die Nacht bei Haubi´s Eltern bleiben wollten. Der Benz machte mit der vollen Beladung mitunter recht eigenartige Geräusche, wir wunderten uns zwar, konnten uns aber sehr gut einreden, daß das alles kein Problem war, und damit sollten wir denn auch recht behalten. Erst nach 3 Uhr kamen wir an, saßen bei lecker Weizen noch bis zum frühen Morgen zusammen.

1. September

Nach einigen Stunden Schlaf standen wir wieder auf, packten am Auto noch einiges um, was in der jetzigen Form unpraktisch war. An der Tankstelle nahmen wir noch mal Diesel auf, alle 3 Kanister und den Tank machten wir voll, um in Frankreich nicht tanken zu müssen. Um genau 14.20 passierten wir die Grenze nach Frankreich. Recht bald verabschiedete sich mit einem lauten Knack der Fensterheber der Beifahrertür, von nun an würden wir also nach Schrottplätzen mit W123er Benzen Ausschau halten. Gegen 20.30 sind wir in Lyon, einige Stunden später, bei Privas, tanken wir aus den Kanistern nochmal voll.

2. September

Torre de la HorradadaIn der Morgendämmerung erreichen wir spanischen Boden, einen Fensterheber werden wir auch heute nicht mehr finden und beschließen, den alten irgendwie zu reparieren. Am Nachmittag machen wir an einem Strand, den man praktischerweise mit dem Auto befahren kann, Pause. Gegen 18 Uhr sind wir wieder unterwegs. 22 Uhr Valencia, Alicante erlebe ich um 1 Uhr in tiefem Schlaf auf der Rückbank. Um 3 Uhr endlich liegen wir im Ruiz´schen Haus in Torre de la Irgendwas in den Betten.

3. September

Der Wecker stand auf 9, um 11 Uhr quälen wir uns so langsam aus den Betten, machen uns irgendwann an die Reparatur des Fensterhebers. Es war nur ein Niet abgebrochen, wir bohren ihn durch, setzten eine Schraube rein und das Ding dürfte jetzt wohl stabiler als vorher sein. Schön, so ein kleines Erfolgsgefühl zwischendurch! Nach sehr leckerem Mittagessen und einigem Gammeln, kommen wir um 16 Uhr wieder los. Die Straße ist recht kurvig, in Verbindung mit der Überbeladung des Benz, lassen die Reifen sich sehr schnell ansehen, daß ihnen irgendetwas nicht paßt. Kurz vor Mitternacht holen wir an einer Tanke noch ein paar Liter Bier, der letzte Abend auf europäischem Boden will schließlich vernünftig verabschiedet werden. Ungefähr 40 Kilometer vor Algeciras finden wir auf einem Feld einen brauchbaren Platz für die Nacht. Wir klappen die Betten aus, zum Abendessen gibt's -natürlich- Spaghetti, dazu Bier ...

4. September

..., irgendwann am frühen Morgen wache ich mal kurz auf, da wir uns inmitten einer vorbeiziehenden Schafherde befinden, wirklich vom Weiterschlafen hält das aber keinen ab, erst um 12.30 sind wir am Hafen von Algeciras. Direkt labert uns irgendein Schlepper an, die Karten sind bei ihm sowieso am billigsten, die Fähre fährt in 2 Minuten los. Alles klar, wir müssen also quasi bei ihm kaufen. Nun gut, wir stellen das Auto erstmal ins Parkhaus, besorgen uns die Karten für die Fähre am Schalter von Euroferries. Schade das das Auto höher als 1,80 ist, dadurch wird's teurer. Aber, daß die Höhe niemand kontrollieren würde, kann man ja nicht ahnen. Um genau 13.50 legt die Fähre ab, eine Stunde später ist Ceuta erreicht. Noch auf spanischem Boden tanken wir zollfrei voll. An der Grenze lassen wir uns von einem Straßenhändler für einen Mischmasch aus europäischen Münzen die Einreisezettel andrehen. Ist zwar Quatsch, aber ein paar Minuten hat's schon gespart. In der Grenzanlage geht es recht chaotisch zu. Erst die Reisepässe mit den ausgefüllten Einreisezetteln in ein Fenster reichen, ewig warten, mit dem gestempelten Pass und einem anderen Zettel zu einem anderen Schalter. Dort wird das Auto abgefertigt. Nach den Formalitäten gilt es noch, den Grenzern zu erklären, daß wir unsere Ersatzräder brauchen und nicht verkaufen wollen. Nachdem Haubi ihnen die mittlerweile abgenutzten Vorderräder gezeigt hat, glauben sie uns endlich. 17.20 endlich Einreise. Totales Gewusel überall, aber daß der Benz hier das perfekte Tarnauto ist, stellt sich ziemlich schnell heraus. Zumindest fahren hier nicht viele andere Autos als der gute W123 herum. Nur liegen die alle mindestens 10 Zentimeter höher, aber egal. In Martil kaufen wir Obst ein, danach geht es durch den Rand des Rif-Gebirges. Daß man nicht überholt, wenn man nicht um die Kurve sehen kann, gilt hier wohl nicht. Was passt, das passt eben. Nur manchmal auch ziemlich knapp. Die hervorragende Kombination von 2 Tonnen Stahl und Krempel mit 60 Diesel-PS machen es einem nicht unbedingt einfacher. Recht aggressiv bekommt man hier überall Hasch angeboten, verdammt viele Polizeikontrollen gibt es hier, wir werden aber überall durchgewunken. Die Landschaft selbst kann auf jeden Fall einiges. Erst in der Dämmerung machen wir uns auf die Suche nach einem Nachtplatz. Wir quälen uns eine steinige Piste abseits der Straße herauf, als wir aber glauben, einen guten Platz gefunden zu haben, stellt sich aber heraus, daß hier reger Landrover -Verkehr herrscht. Das macht es irgendwie ungemütlich. Wir fahren zurück zur Straße, um 21 Uhr sind wir in Ouazzane. Angenehm, daß einem hier kaum Beachtung geschenkt wird. Wir kaufen Wasser ein und fahren weiter. Erst in der Dunkelheit fahren wir ein Stück ab von der Straße zum Schlafen. Zum Essen gibt's heute den guten Texas Feuerzauber vom Aldi.

5. September

Gegen 8 Uhr stehen wir auf, unmenschlich früh eigentlich. Während wir frühstücken -zu Kaffe und Melone gibt es Californication von den Chili Peppers (wie ab jetzt jeden Morgen)- kommt ein Bauer auf einem Esel vorbeigeritten. Offensichtlich haben wir in einer Eukalyptus-Plantage geschlafen. Gegen 13 Uhr sind wir in Fès, auf dem Weg dorthin wurden wir unaufhörlich angehupt und freudig begrüßt. In einem kleinen Ort erregten wir ziemliches Aufsehen, als wir nach dem Weg fragten. Alle sind freundlich und selbst unser Französisch ist erstaunlicherweise immerhin so gut, daß wir uns verständigen können. Man beginnt sich wohlzufühlen im fremden Land. Die Landschaft ist bergig und grün, überwiegend landwirtschaftlich genutzt. In Fès stellen wir das Auto kurz ab, um Essen zu kaufen. Als wir wiederkommen umringt eine Horde Kinder das Auto, ihre Hände sind überall. Wir verteidigen unser Habe, im Endergebnis ergattern sie unsere Mülltüte und eine Packung Kaugummis, wir flüchten. Leider in eine Sackgasse. Später finden wir noch angenehmere Viertel, tanken Wasser und Diesel. Wir finden ein Internetcafé und schicken erste Neuigkeiten nach Hause. Es geht weiter Richtung Bir-Tam-Tam. Zwischen Ribat-el-Khir und Tafferte finden wir an einer Piste abseits der S326 einen Nachtplatz. Zum Abendessen gibt's mal wieder Spaghetti, schon um 22 Uhr liegen wir in den Betten. Die Nacht sollte tierisch kalt werden.

6. September

Am Morgen gibt´s dann erstmal eine Minimaldusche aus der Wasserflasche, Haubi wäscht die Wäsche aus seiner tollen "Reisewaschmaschine" (eine Tonne, die auf dem Dach festgeschnallt und mit Waschlauge gefüllt nach einem Tag Piste die Wäsche blitzsauber gewaschen hat ..., naja) aus. Während wir frühstücken, kommt ein Benz-Transporter vorbei, wie immer übervoll, die Besatzung guckt etwas verwundert und grüßt freundlich. Es geht weiter in Richtung Tafferte. Gegen Mittag kommen wir an eine geschlossene Schranke, offenbar ein Kontrollposten. Wir werden freundlich begrüßt, müssen uns mit Namen und Nationalität in ein Buch eintragen, keine Ahnung, warum. Der letzte Eintrag stammt vom 15. August. Danach wird die Schranke geöffnet, wir können weiter. Die Straße mutiert zu einem schlechten Schotterweg. Als wir laut Kilometersteinen Tafferte passieren, sehen wir lediglich 3 Häuser über einige hundert Meter verstreut. Irgendwann gabelt sich die Piste, die grobe Michelin-Karte kann uns da nicht weiterhelfen, wir biegen also nach rechts ab, lernen recht schnell die begrenzte Steigfähigkeit des Benz kennen. Mit viel Anlauf schaffen wir die Hürde, der gute marokkanische Sprit hinterläßt eindeutige, schwarze Arbeitsspuren in der Luft. Bald kommen wir an eine offensichtlich bewohnt Schutzhütte, wir wollen nach dem Weg fragen, treffen aber nur auf Frauen und Kinder, die schüchtern weglaufen. Nach einigen Minuten kommt dann der Herr des Hauses. Er kann nicht viel Französisch macht uns aber unmißverständlich klar, daß die weitere Piste mit dem Mercedes nicht zu machen sei, nach einem Blick auf diese sehen wir das dann auch Im Atlassofort ein, drehen also um. Der Unterfahrschutz unter der Ölwanne hat sich mittlerweile ohnehin schon zu einem der wichtigsten Teile des Autos gemausert. Wir kommen wieder an die Gabelung, nehmen jetzt die andere Möglichkeit. Die Piste läßt sich in der Tat einiges besser fahren, führt in Serpentinen auf ein beeindruckendes Hochplateau, wir scheinen uns langsam der Wachstumsgrenze zu nähern. Als wir anhalten um Fotos zu machen, entdecken wir frische Tropfen irgendeiner Flüssigkeit auf dem Boden. Schrecksekunde. Haben wir uns doch irgendwas aufgerissen? Hier?! Es stellt sich aber heraus, daß es lediglich Diesel war, der aus dem etwas undichten Tank herausgesabbert ist. Am Nachmittag kommen wir an einer Gruppe Häuser vorbei, hier wollen wir fragen, wo wir sind. Daß wir uns nicht auf der geplanten Route nach Missour befinden, ist uns mittlerweile schon klar und der Tank ist auch nicht mehr ewig voll. Wir treffen aber nur einen kleinen Jungen, der nur Arabisch spricht, uns nicht weiterhelfen kann, dafür aber sehr bestimmt Geld fordert. Na gut, er bekommt einen Dirham. Die Piste wird wieder zu einer asphaltierten Straße. Wir bestimmen per GPS unsere Position, das hilft uns aber auch nicht weiter. Eines wird grob ... vorbeikommender Lkw hält an, für eine große Unterhaltung reichen die Sprachkenntnisse beiderseits nicht aus, aber die Straße bliebe befahrbar, meint er ... . Nach wenigen Kilometern allerdings wird die Piste brutal schlecht, besteht mehr aus Geröll als aus irgendetwas anderem, Fahrt unter Rettung ...Schritttempo, immer wieder müssen Brocken aus dem Weg geräumt werden oder jemand zum Einweisen aussteigen. In gut einer Stunde legen wir etwas mehr als einen Kilometer zurück, bis wir an einer abgestellten Planierraupe vorbeikommen. Ab hier ist die Piste wieder frisch planiert, nur in ausgefahrenen Kurven wird man an die mangelnde Bodenfreiheit erinnert. Wir kommen durch ein kleines Dorf, wo wir wie Mondmenschen angeguckt werden. Touristen sind hier wohl eher selten. Die Piste führt in einen Steinbruch, wir halten einen Lkw-Fahrer an, der uns erklärt, die Piste führe nach Taza. Damit hatten wir nun gerade überhaupt nicht gerechnet, aber ändern konnten wir es wohl auch nicht. Bald haben wir wieder Asphalt unter den Rädern, ein Schild verrät uns, daß wir auf der N 507 sind. In der Dämmerung schlagen wir uns ca. 50 km vor Taza ein wenig ab der Straße in die Büsche. Zur Abwechselung gibt's heute mal - Spaghetti.

7. September

Mangels Eßbarem sind wir schon um 7 Uhr wieder auf der Straße, die in Serpentinen nach Taza führt. Dort kaufen wir in einer engen Marktstraße ein Stück Schlauch, daß von nun an zusammen mit den Kanistern auf dem Dach unser Wasserhahn sein wird. Im Zentrum finden wir eine Art Supermarkt, wo wir unsere abwechselungsreichen Vorräte mit Spaghetti, Tomatenmark, Brot und Kaffee aufstocken. Beim Tanken füllen wir auch die Wasservorräte auf, nur leider ist der einzige Wasserhahn auf dem Klo, und dessen Erscheinung ist für uns als Europäer zumindest etwas gewöhnungsbedürftig. Zur Sicherheit gibt's dann auch eine Extraportion Certisil ins Wasser. Über die P 1 erreichen wir gegen Mittag Guercif , fahren auf der S 329 weiter in Richtung Outat-Oulad-El-Haj. Die schmale Straße führt durch eine sehr wüste Gegend, die an Nevada erinnert, wie man es aus dem Fernseher kennt. Es gibt viele Baustellen, offensichtlich werden die derzeit trockenen Wasserdurchfahrten durch Brücken ersetzt. Die letzten Kilometer nach Outat nehmen wirWrack noch 2 Anhalter mit, wahrscheinlich Bauarbeiter, für große Unterhaltungen reichen aber mal wieder die Sprachkenntnisse nicht aus. Nach Outat begegnen wir den ersten Dromedaren, die scheinbar wild durch die weite Ebene latschen, halten natürlich an, um Fotos zu machen. 15.00 Missour, volltanken. Wir begegnen jetzt öfter Dromedarherden, kommen durch einige kleine Dörfer, die aus ein paar Lehmhütten bestehen. Am Nachmittag folgen wir zwecks Nachtplatzsuche einige hundert Meter einer kleinen Piste, die zu einem trockenen Flußbett führt, mit dem Spaten ebenen wir uns die letzten Meter. Während wir kochen -Spaghetti natürlich- kommt eine Ziegenherde vorbei, der Hirte spricht kein Französisch, per Zeichensprache bieten wir ihm Wasser und Kippen an, er freut sich. Bald gesellt sich ein zweiter Ziegenhirte dazu. Unser Kaffee schmeckt ihnen nicht, sie ziehen weiter. Einer von ihnen kommt bald wieder, sitzt eine ganze Weile bei uns. Bevor er aufbricht, bittet er uns noch um Geld. Wir geben ihm 5 Dirham, offenbar viel zu viel, er verläßt uns fluchtartig. Wieder was gelernt. Wir kochen erstmal fertig, schlafen die Nacht im Auto.

8. September

In aller Ruhe frühstücken wir. Kurz nach 9 Uhr brechen wir auf, eine Ziehgenhirtin kommt angelaufen, guckt recht böse und will auch Geld. Hat sich wohl rumgesprochen, was wir dem Kollegen gestern gegeben haben, wir flüchten. 30km vor Rich kommen wir an einem Polizeiposten vorbei, alles geht sehr freundlich zu, wir werden willkommen geheißen und dürfen weiter. Vor Rich tanken wir alles voll, was wir haben, im Ort kaufen wir Lebensmittel ein. Sieht ziemlich touristisch aus hier, eine Riesenhorde französischer Wohnmobile ist eingefallen und einzelne davon werden uns auch in den nächsten Tagen wieder begegnen. Noch vor Mittag fahren wir los in Richtung Imilchil. Immer wieder stehen wild winkende Kinder am Straßenrand, die etwas eigenartig aussehende Äpfel oder Maiskolben verkaufen wollen. Die Straße, entgegen der Karte durchweg asphaltiert, führt an einem trockenen Flußbett entlang, in dem wir uns gegen 13 Uhr kurz zu einer Melonenpause niederlassen. Immer wieder kommen wir durch kleine Dörfer, springen Kinder auf die Straße und rechtzeitig wieder runter. Um ziemlich genau 14.30 haben wir den ersten Platten, zum Glück nicht mitten in einem Ort. Wie klug von uns, daß der Wagenheber in der Reserveradmulde liegt! Wir räumen also den Kofferraum aus, packen alles, was paßt in den Innenraum. Das war wohl auch gut, sehr bald haben wir neugierigen Besuch von Kindern. Eine Stunde später fragen wir an einem Polizeikontrollposten, an dem eine Piste abgeht, nach dem Weg nach Agoudal. Aha, die Piste also. Erstaunlich viel Verkehr hier. Die Piste ist teilweise sehr tiefsandig, aber trotzdem einigermaßen gut zu befahren. Wenig später fahren wir über die Kuppe eines kleinen Hügels und blicken auf einen riesigen Markt. Damit hatten wir hier eigentlich nun wirklich nicht Markt bei Imilchilgerechnet. Hier wird wohl alles verkauft, was die Leute so brauchen: Dromedare, Ziegen, Schafe, sonstige Lebensmittel, Haushaltswaren, ... . Wir parken das Auto auf einem abgesteckten Parkplatz, ein breit grinsender "Guardian" erklärt uns, daß unser Auto hier sicher steht. Wir gehen über den Markt, an einer Bude essen wir etwas Donut-ähnliches. Man wird kaum angesprochen, es gibt auch fast gar keine Touristen hier. Nur zwei weiße Touri-Landrover mit Aufschrift "Hyatt Tours Agadir" samt Besatzung fallen auf. Zwei Marokkaner sprechen uns an, einer von ihnen spricht deutsch. Er will uns unbedingt in sein Zelt schleppen, um uns irgendwas anzudrehen, wird aber auch nicht unfreundlich, als wir ablehnen. Falls wir nochmal wiederkommen, sollen wir dann aber nach dem "Wüstenfuchs" fragen. Naja, wenn er meint ... . Wir fahren weiter, fragen einen entgegenkommenden Lkw-Fahrer, ob die Piste nach Agoudal mit dem Benz machbar sei. "Pas de problème!" und er bietet uns grinsend seine Tüte an. Die Piste wird immer schlimmer, in Tymarine müssen wir einsehen, daß wir nicht weiterkommen und drehen um. Unsere Streckenplanung ist somit hinüber, wir sind wieder unterwegs Richtung Rich. Ca. 30km vor Rich biegen wir rechts nach Amellago ab. Nach etwa einer halben Stunde finden wir auf der Suche nach einem Nachtplatz eine benzfähige Abfahrtmöglichkeit von der Straße in die Geröllwüste. An einer Stelle, die wir für geeignet halten, bleiben wir stehen und fangen an, die Spaghetti zu kochen. Wenig später, es ist mittlerweile dunkel, rufen Leute. Sie kommen näher, bleiben aber 50 Meter entfernt von uns stehen und rufen weiter. Wir gehen also hin, eine Verständigung ist zwar mangels Arabischkenntnissen nicht möglich, dennoch scheinen sie erleichtert und ziehen mit ein paar Kippen wieder ab.

9. September

Um 7 Uhr stehen wir auf, die Kerle von gestern abend sind auch noch da. Sie gehören offenbar zu einer Karawane und hatten Angst um ihre Waren gehabt. Wir fahren direkt los und machen wenig später am Straßenrand Pause zum Frühstücken. Bald gesellt sich ein Ziegenhirte zu uns. Nachdem wir gemeinsam unsere Melone verspeist haben, packt er eine Flöte auf und beginnt, zu spielen. Er freut sich, daß wir Fotos von ihm machen und daß keiner von uns einen Ton aus seiner Flöte herausgequält bekommt. Noch ein zweiter Hirte kommt dazu. Wir sitzen noch eine Weile beisammen, brechen irgendwann nach freundlicher Verabschiedung auf. Die Straße wird zur Piste und immer schlechter, wir können noch 10 - 20 km/h fahren. Ein entgegenkommender Transporterfahrer erklärt uns allerdings, daß wir mit unserem Auto auf keinen Fall nach Amellago kommen werden. Er ist sich erschreckend sicher, wir drehen also mal wieder um. Auf dem Rückweg nehmen wir noch einen älteren Mann mit, der nach Rich will. Dort angekommen bedankt er sich sehr freundlich und auch seine Freunde scheinen jetzt unsere Freunde zu sein. Wir tanken nochmal voll und fahren Richtung Errachidia. Die Straße geht entlang einem Flußbett voll mit Palmen durch steinige Berge. In Errachidia lassen wir den kaputten Reifen flicken, an einer Tankstelle tanken wir Sprit für den Kocher und Wasser. Gegen 16 Uhr brechen wir Richtung Goulmima auf. Kurze Zeit später finden wir in der ebenen, befahrbaren Wüste abseits der Straße einen brauchbaren Platz für die Nacht. Heute gibt es ganz was Feines zum Essen: Spaghetti. Im Laufe des Abends durchbrechen Hundegebell und Stimmen in der Ferne die Stille, irgendwann fährt mal ein Auto eine nahgelegene Piste entlang. Ansonsten passiert nichts.

10. September

Wir frühstücken in aller Ruhe, packen das Auto, verbrennen und verbuddeln unseren Müll. Um 9 Uhr brechen wir auf und sind eine knappe Stunde später in Goulmima. An einer Tankstelle fragen wir nach der Piste nach Ba Touroug, ein freundlicher Ortsansässiger fährt bis zur Gabelung vor, erklärt uns dort nochmal den Weg. Wider der Karte finden wir keine Piste, sondern eine asphaltierte, wenn auch sehr schmale, Straße vor. Bald kommen wir auf die Straße nach Erfoud, an der auch die "Himmelstreppe" liegen soll, ein Kunstwerk des Künstlers Hans-Jörg Voth, eine Treppe, die frei in der Wüste steht und im Nichts endet. Von oben soll ein toller Blick in die umgebende karge Wüste möglich sein. Wir beobachten die Kilometersteine um nach der Kilometerangabe des Reiseführers den richtigen Abzweig zur einige Kilometer entfernten Himmelstreppe zu finden. Die Piste ist für uns nicht befahrbar, verläuft sich recht bald. Zum Ausgleich werden wir von vielen Kindern umlagert die uns alle "echte" Fossilien andrehen wollen. Erstaunlicherweise gibt es die in knallrot, gelb und blau und gleichen in der Form wie ein Ei dem anderen. Wir lehnen freundlich ab und versuchen nach der GPS-Angabe des Reiseführers den Abzweig zu finden. Das Gerät führt uns erstmal 20 km weiter in Richtung Erfoud. Tatsächlich befindet sich an besagter Koordinate eine Abzweigung, die Piste endet recht bald bei ein paar Häusern, deren Bewohner von besagter Treppe noch nie gehört haben. Wir verlieren die Lust und fahren weiter Richtung Erfoud. In Erfoud wimmelt es von beschäftigungslosen weißen Touri-Landrovern, alle wollen uns irgendwo hinfahren, wir sind einigermaßen genervt, fahren weiter. Um 14.30 sind wir in Rissani, am Ortseingang steht ein Jugendlicher mit seinem Mofa. Er begrüßt uns lautstark mit "Ey Dütschland, wie gätts?!" und nimmt die Verfolgung auf, weiß der Teufel, was der uns schon wieder andrehen will, er bemüht sich hartnäckig an uns dran zu bleiben. Am Ortsausgang gibt er auf und wartet wahrscheinlich auf die nächsten Opfer. Eigenartige Taktik, die er da verfolgt. Wir suchen die Straße nach Tazzarine, fahren erstmal eine Weile in die falsche Richtung, bis Antonio bemerkt, daß wir in Richtung Osten unterwegs sind, aber eigentlich nach Westen müssen. Wir drehen also um, finden schließlich den richtigen Weg. Es geht durch offene, flache Wüste. Einige steinige Berge befinden sich rechts der Straße. Einen dieser erklettern wir zu Fuß, auf der anderen Seite kann man den steilen angewehten Sand runtersurfen. Macht Spaß, sollte man mal gemacht haben. Auf dem Weg zurück beobachten wir einen Jungen der sich auf dem Fahrrad dem Auto nähert. Er hält an, fummelt etwas an seinem Vorderrad rum und schiebt weiter. Zufälligerweise zeitgleich mit uns kommt er am Auto an. Offensichtlich hat er die Luft aus dem Vorderreifen gelassen, um uns besser seine Glasfossilien andrehen zu können. Diese Masche ist nun wirklich zu blöd, er hätte wenigstens eine Plastiktüte um die Luftpumpe auf dem Gepäckträger packen können ... . Gegen 16 Uhr, die Landschaft besteht mittlerweile aus bergigem Schiefergeröll, fahren wir soweit von der Straße ab, bis man uns nicht mehr sehen kann. Der Benz ist in Bodenfreiheit und Steigfähigkeit verdammt nah an der Grenze des Machbaren. Wir bauen die Betten auf, fangen an, die Spaghetti zu kochen. Hier müßte man nun wirklich alleine sein, es gibt nichts, aber auch gar nichts, was Ziegen hier fressen könnten. Also kann auch keiner vorbeikommen. Weit gefehlt. Sehr bald taucht eine Ziegenherde auf. Zuerst kommt ein kleiner Junge angelaufen, ist etwas von unserem Tomatenmark. Die Mutter schaut mit einem kleinen Kind auf dem Arm von einem hohen Berg aus zu, kommt später auch zu uns. Sie fragt nach Geld und Klamotten, wir geben ihr ein paar Dirham. Ein weiteres kleines Mädchen läuft freudig weg, wahrscheinlich um allen von unserer Existenz zu berichten. Nachdem wir irgendwann wieder alleine sind, ist uns doch etwas unwohl, da wir schlecht einschätzen können, zu was die große Armut, die hier offensichtlich herrscht, die Leute wohl treiben kann. Sicherlich etwas übertrieben, nach längerer Zeit in diesem uns noch sehr fremden Land hätten wir das auch sicher anders gehandhabt, jedenfalls packen wir unsere Sachen und suchen einen anderen Nachtplatz. Auf dem Rückweg zur Straße läuft uns eine ältere Frau entgegen, sie will uns eine angegessene und zermatschte Kaktusfeige anbieten, trägt Ihr Gewand erschrecken offen und grinst. Wir nicht. Wir fahren weiter. Eine Stunde später finden wir in der Dunkelheit einen einigermaßen vernünftigen Platz für die Nacht (31°10',01"N, 5°00'42"W), schlafen im Auto.

11. September

Um 6 Uhr steht Haubi auf und stresst auf seine Art rum, bis auch Antonio und ich wach sind. Ohne Frühstück brechen wir auf. 7.00 Achbarou. 7.10 Alnif, an der Ortseinfahrt steht ein angetrunken wirkender Polizist. Wir halten an, er fragt, ob wir Whiskey haben und in den Senegal wollen. Zweimal Nein und wir können weiterfahren. In einem Laden im Ort kaufen wir Fladenbrote. Es ist nur noch eins da, ein Junge wird mit seinem Fahrrad losgeschickt und kommt ein par Minuten später mit einem Karton voller Brote zurück. Wir fragen, ob wir ein Foto machen dürfen, der Besitzer und die Umstehenden freuen sich. Wir bekommen die Adresse, damit wir Abzüge schicken können. Einige Kilometer hinter dem Ort machen wir eine ausgedehnte Frühstückspause unter einem Fruehstueckspauseeinsamen Baum. Nach zwei Stunden geht's weiter. 9.45 Tazzarine, 10.00 N´Kob, wir biegen auf die P31 Richtung Ouarzazate um eine Stelle zu finden, an der es möglich ist, im der Straße parallelen Fluß zu angeln. Die Straße entfernt sich aber vom Flußlauf und wir drehen nach ein paar Kilometern wieder um und fahren Richtung Zagora. Etliche Palmenhaine liegen rechts und links der Straße, die durch das Drâa-Tal führt, mehrere Windhosen wandern durch die Gegend, queren teilweise die Straße. In Zagora tanken wir Wasser und Diesel, fahren weiter nach Mhamid. Es geht durch ziemlich ebene, wüste Gegend, heißer Wind weht Sand über die Straße. Später -in bergiger Gegend- machen wir nochmal Melonenpause und lassen die Landschaft auf uns wirken. Damit das bisher eigentlich unnütze GPS-Gerät einenPiste Nutzen bekommt, bestimmen wir unsere Position: 30°07’36’’N, 5°37’57’’W. Ab jetzt werden wir das GPS dauernd für derart wichtige Informationen nutzen. Bei Tagounite biegen wir rechts auf die Piste nach Foum-Zguid ab. Wieder nehmen wir unsere Position (29°59’51’’N, 5°35’04’’W), diesmal macht das sogar wirklich Sinn, man weiß ja nie, wie oft sich die Piste gabelt und wie man dann wieder zurückkommt. Die Piste ist zuerst recht eben und tiefsandig, läßt sich mit gut 40 km/h fahren. Der aufgewirbelte Sand läßt es schnell dunkel werden im Auto. Bald wird die Piste grob steinig, Schritttempo ist angesagt. Der Benz steckt in einer trockenen Flußquerung kurz im Sand fest, mit dem erstmaligen Einsatz der Sandbleche, kommen wir aber schnell wieder frei. Die Piste wird zunehmend schlechter, wir fahren ein Stück von der Piste ab in eine kleine Senke, haben also grade unseren Nachtplatz gefunden (30°02’19’’N, 5°36’43’’W). Wir sitzen inmitten der offenen Steinwüste, kochen wie jeden Abend Spaghetti. Wir bekommen keinen Besuch, legen uns schon gegen 21 Uhr schlafen. Die Nacht wird sehr warm.


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Segeln in der Karibik


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