[ << ] [ Teil 1 ] [ Teil 2 ] [ Teil 3 ] [ Teil 4 ] [ Teil 5 ] [ >> ] [ Bilder ] [ Links ]
[ Home ] [ Mail ]

.Karte: Marokko und Westsahara

Marokko 2000

Reisebericht

.


Reiseroute :

Ceuta - Martil - Tetouan - Chefchaouen - Ouazzane - Fès - Bir-Tam-Tam - Tafferte - Taza - Guercif - Outat-Oulad-El-Haj - Missour - Rich - Tymarine - Rich - Errachidia - Goulmima - Erfoud - Rissani - Alnif - Tazzarine - Zagora - Tagounite - Mhamid - Zagora - Agdz - Ouarzazate - Foum-Zguid - Tissint - Tata - Akka - Icht - Bouizakarne - Tagant - Guelmim - Tan Tan - Abbeteh - Smara - Laayoune - Lemzid - Boujdour - Dakhla - Boujdour - Lemzid - Laayoune - Bou Craa - Tarfaya - Tan Tan - Guelmim - Bouizakarne - Tka Akhsass - Tiznit - Bge Youssef Ben - Agadir - Taroudannt - Tizi-n-Test - Asni - Marrakech - Ben Guerir - Casablanca - Rabat - Kenitra - Ksar-el-Kebir - Tanger


Teil 2 (12. September bis 18. September)


12. September

Um 6 Uhr stehen wir auf, verstauen den Großteil der Ausrüstung. WaeschetrocknenWeit weg ziehen zwei Dromedare vorbei, auch zwei Ziegenhirten sind zu erkennen, wider Erwarten statten die beiden uns keinenPiste Besuch ab. Wir hängen die gerade ausgewaschene Wäsche wieder auf die Leine und frühstücken in aller Ruhe. Zum Schluß verbrennen und verbuddeln wir wieder unseren Müll, kurz nach 10 Uhr brechen wir auf und erreichen eine knappe Stunde später wieder die Straße, von der wir gestern abgebogen waren, fahren weiter Richtung Mhamid. Gegen Mittag erreichen wir Mhamid, Touristen scheinen hier zwar bekannt, aber zumindest zur Zeit auch sehr selten zu sein. Jedenfalls stürzt sich ein riesiger Pulk von hauptsächlich Jugendlichen auf uns, jeder einzelne von Ihnen weiß am besten, wo wir hinwollen und wie wir dahinkommen, andere wollen uns eine Landrovertour oder sonstwas andrehen. Ohne anzuhalten kämpfen wir uns durch den Ort, finden auf Anhieb die Piste, die am anderen Ende wieder herausführt, hin zu den Sanddünen, die die Karte verspricht. Bevor wir nun weiterfahren, bestimmen wir sicherheitshalber unsere Position (29°49'53"N, 5°44'06"W). Das hätten wir uns wohl auch sparen können, mangels Allrad, Bodenfreiheit und Motorleistung sind wir bald hoffnungslos eingesandet, der Benz liegt mit dem gesamten Boden auf Sand, leider sind wir mit Schwung in den tiefen Sand gefahren; ist eigentlich ja richtig, aber nur wenn's gut geht. Jetzt liegen wir mittendrin. Zwei Nomaden, oder zumindest Marokkaner, die sich als solche verkleidet haben, kommen dazu und helfen uns beim Bergen. Der Versuch, durch ein bißchen Buddeln und Vorlegen der Sandbleche freizukommen, endet mit fiesem Gummigestank und einem neuen Profil am rechten Hinterreifen. Also Gepäck raus, den Wagen hochbocken, viel Luft aus den Reifen, Steine unter die Räder, Bleche davor und mit Vollgas los ... . Hm, toll, eine ganze Sandblechlänge haben wir auf diese Weise gewonnen. Beim zweiten Versuch klappt´s dann und mit viel Kupplung und Gas läßt sich der Karren auf festen Untergrund retten. Wir werden zum Tee in die nahen Zelte eingeladen, dank ortskundiger Begleitung und Anweisungen bleiben wir auf dem Weg dorthin auch nicht mehr stecken. Ziemlich lange sitzen wir zusammen im Zelt, unterhalten uns, zeigen ihnen unsere bisherige und geplante Route. Als wir schließlich aufbrechen nehmen wir die beiden mit in den Ort zurück. Einer der beiden versucht noch, sich unauffällig Antonios Sonnenbrille einzustecken. Als ich das bemerke, zeige ich ihm den Sprung im Glas, er grinst ertappt und läßt sie liegen. Im Ort angekommen werden noch Adressen ausgetauscht und sie verabschieden sich freundlich. Kaum sind sie ausgestiegen, sind wir von einer Horde Kinder umringt. Sie zerren an allen Türen, aber in weiser Voraussicht hatten wir alles verriegelt - man hat gelernt. Auf dem Weg zurück nach Zagora finden wir keinen geeigneten Nachtplatz, dort angekommen fahren wir also weiter über die Piste Richtung Foum-Zguid. Nach einer halben Stunde -es gibt immer mehr und immer längere tiefsandige Passagen, die sich nur mit sehr viel Schwung nehmen lassen- verlassen wir die Piste, um uns einen Nachtplatz zu suchen. Hierbei bleiben wir noch mal kurz im Sand stecken, sind den Umgang mit den Sandblechen aber mittlerweile gewöhnt und daher schnell wieder frei. Zwischen kleinen Sanddünen lassen wir uns schließlich für die Nacht nieder (30°17'06"N, 5°53'13"W). Zum Essen gibt's mal wieder Spaghetti. Haubi ist wohl der erste mit Durchfall und begräbt feierlich seine Shorts. Einige hundert Meter entfernt fahren ab und zu mal Mofas und ein Touri-Geländewagen über die Piste, ansonsten herrscht nur reger Verkehr von riesigen Käfern.

13. September

Haubi ist mal wieder als erster wach und nervt rum, bis auch AntonioBeim Angeln ... und ich aufstehen. Dafür hat er immerhin eine halbe Stunde gebraucht. Hektik gibt es nicht, gegen 9 Uhr fahren wir los nach Zagora. Eine knappe Stunde und ein etwas unterbodenunfreundliches Schleudermanöver von Haubi (Zitat: "Ich dachte, das passt nicht. ...[einige Minuten Schweigen]... Hm, hat ja auch nicht gepasst!") später sind wir im Ort, kaufen Essen und Filme. Wir fahren weiter Richtung Agdz. Ungefähr 15 km vor Agdz machen wir Pause an einem Fluß zum Angeln. Riesige Schildkröten schwimmen im grünen Wasser, die Ufer sind voller Palmen, große weiße Vögel mit ca. 1,5 Metern Spannweite machen das Bild nicht gerade häßlicher. Während wir auf großen Steinen am Ufer sitzen, kommen vier Jungen mit einer Ziegenherde vorbei und beobachten uns sehr neugierig. Von Erfolg sind unsere ...bei AgdzAngelkünste natürlich nicht gekrönt. 12.30 geht's weiter, 12.50 Agdz. Direkt spricht uns ein Händler an, bittet uns, einen Brief an irgendwelche Freunde in Hannover für ihn zu schreiben. Antonio und ich folgen ihm also in seinen Laden - man will ja keinem mit Vorurteilen begegnen. Der Inhalt seines Briefes ist allerdings wirklich mehr als doof und nachdem der Brief fertig ist, will er uns -wie sollte es auch anders sein- irgendwelchen Plunder andrehen. Wir lehnen freundlich ab und gehen. Es geht weiter Richtung Ouarzazate. Dort wollen wir in eine Werkstatt, da irgendwo von der vorderen rechten Radaufhängung in den letzten Tagen immer lauter werdende Knarzgeräusche kommen. Nicht unbedingt beunruhigend, aber eben auch nicht beruhigend. Man hat ja schließlich noch was vor mit dem Auto. Da es zu spät geworden ist, um heute noch in eine Werkstatt zu fahren, biegen wir 25 km vor Ouarzazate rechts auf eine kleine Piste in die Berge um einen Platz für die Nacht zu suchen. Was sich anbietet ist nicht schlecht, aber auch nicht perfekt. Wir fahren also erstmal zurück auf die Straße, um nach etwas besserem zu suchen, kommen aber schnell in vereinzelt bewohntes Gebiet und drehen um zu dem Platz, den wir uns eben schon ausgeguckt hatten (30°46'16"N, 5°44'06"W). Wir genießen erstmal die Nachmittagssonne und fangen irgendwann zu kochen an. Die Spaghetti gibt's heute mit Erbsen. Nach dem Essen klettern wir zu einem alten Turm hoch, der auf einem Berg in unserer Nähe steht. Als wir oben ankommen, ist es dunkel, man kann die Lichter von Ouarzazte sehen, es weht ein starker, sehr trockener Wind. Der Rückweg im Dunkeln ist etwas schwieriger, schon kurz nach 21 Uhr liegen wir schließlich in den Betten.

14. September

Schon wieder ist Haubi viel zu früh wach, also darf auch kein anderer mehr schlafen können. Er braucht recht lange um uns wach zu kriegen, schafft es letztendlich aber doch. Das reichliche Frühstück besteht heute aus Kaffee und Aldi-Brühe in frei kombinierbarer Reihenfolge. Um 10 Uhr ist der Benz fertiggepackt und nach der obligatorischen Müllverbrennung -mehr zum Spaß als aus Notwendigkeit- geht's los nach Ouarzazate. Dort kommen wir zuerst durch eine Art Vorort, im Zentrum finden wir dann auf der Suche nach einer Werkstatt einen "richtigen" Supermarkt -den ersten seit Europa- und decken uns erstmal mit lebensnotwendigen Wichtigkeiten wie Kekse und Cola, vor allem aber mit Bier, ein. Irgendwie finden wir hier keine Werkstatt, außer einer auch für hiesige Verhältnisse sehr mysteriös aussehenden Hinterhofschrauberei, zu der uns ein Tankwart geschickt hat. Wir tanken im Vorort -die Stimmung hier ist eigenartig gemütlich, irgendwie ist alles ungewohnt ruhig, nur europäische Chartmusik aus den Lautsprechern der Tankstelle durchbricht diese Ruhe- und zeigen dem Tankwart das, dank kaputter Gummimanschette und viel Sand, mitgenommene Traggelenk. Er ist sehr freundlich, gemeinsam mit einem herangeholten Mechaniker diagnostiziert er den Tod des Gelenks, aber "pas de problème". Wir fragen trotzdem, ob er es reparieren kann. Nein, kann er nicht, keine Zeit, aber die gegenüberliegende "garage mercedes" kann das sicherlich. Dort schickt man uns erstmal zurück ins Zentrum, ein neues Teil kaufen. Der Händler ist leider gerade in der Moschee, während wir warten, spricht uns ein etwa 40jähriger an. Wir erklären ihm unser Problem, welches er dann später dem nur Arabisch sprechenden Ladenbesitzer schildert - glauben wir zumindest. Jedenfalls kommt irgendwie dabei heraus, daß er uns nicht weiterhelfen kann, aber unser Dolmetscher weiß natürlich Rat und fährt mit uns zu einem Geschäft, das unser Ersatzteil haben soll. Dieses Geschäft ist dann aber leider genau die Werkstatt, in die wir eigentlich nicht wollten. Egal jetzt, irgendwie werden die´s schon machen. Nach Verhandeln soll das neue Gelenk samt Einbau immernoch 300 DirhamNachtlager kosten, Touris kriegen eben auch Touripreise. Wir willigen also ein. Zu mehreren begeben sich die Mechaniker an das Auto, außer unserem Radkreuz, einem Hammer und einem Brecheisen wird kein Werkzeug benötigt, dieses dafür aber um so vehementer. Im Endergebnis wird aber nur eine neue Gummimanschette über das Gelenk gezogen und auf Nachfrage wenigstens ein bißchen Fett druntergeschmiert, als die Herren fertig sind, versteht auf einmal keiner mehr Französisch. Na gut, sind wir eben beschissen worden, aber immerhin ist das Knarren erstmal weg. Nachdem die Reparatur beendet ist, gehen wir noch in ein Internetcafé und telefonieren, kaufen Brot ein und fahren noch mal zum Supermarkt, um uns das erste Fleisch seit langem, ein halbes Kilo Mortadella, zum Abendessen zu holen. Um 16.45 verlassen wir Ouarzazate Richtung Marrakech, der Ort hat einen sehr angenehmen, weil entspannten Eindruck hinterlassen. Kurz vor der Dämmerung finden wir an einer Piste, einige Kilometer von der Straße entfernt, einen anständigen Nachtplatz in einem trocken Flußbett unterhalb einer einige Meter hohen Steilkante. Zum Essen gibt's gebratene Mortadella in Brot, Abwechslung pur. Vorher noch Joghurt, nachher ein paar Dosen Bier. Guter Tag gewesen!

15. September

Wie die letzten Tage steht Haubi um 6 Uhr auf. Ich schaffe noch eine Stunde länger im Bett. Ganz luxuriös frühstücken wir heute Brot mit Marmelade aus dem Supermarkt, dazu die deutsche Welle. Das Wetter zuhause ist also mies, wirklich schade! GPS: 31°00'22"N, 7°02'27"W. Um Buddeln9.30 fahren wir los, stellen aber nach ein paar Minuten fest, daß einer der Wasserkanisterdeckel fehlt. Auf dem Dach liegt er natürlich nicht mehr, also latschen wir zu Fuß zurück und finden ihn auch. Um 11 Uhr sind wir wieder auf der P31, biegen nach einigen Minuten auf die P32 Richtung Tazenakht. Wenig später wollen wir eine kurze Melonenpause in einem trockenen Flußbett einlegen. Ganz so kurz gerät diese dann aber doch nicht, da der Wagen bald ordentlich feststeckt und sich erst nach einer längeren Buddel-und-Sandblech-Orgie auf festen Boden retten lässt. Im Schatten von Schilf essen wir die Melone und stellen schließlich fest, daß sich der steile Weg zurück zur Straße auch recht schwierig darstellt, da der Boden nur oberflächlich hart, darunter aber ziemlich weich ist. Die knappe Bodenfreiheit verbietet allerdings die Anlauf-und-durch-Methode, mit mittelmäßigem Schwung kommen wir aber ohne Bodenkontakt zurück zur Straße. Wir pumpen die abgelassenen Reifen wieder auf und fahren weiter, um uns herum steinige Wüste, steile Berge und immer wieder grüne Palmenhaine. 15.30 Foum-Zguid. Die Straße wird zweispurig, 100km/h möglich. Zweimal halten wir an, um Fotos von offenbar wild umherlaufenden Dromedaren zu machen. Es geht durch flache Wüste, unaufhörlich wabert Sand über die Straße. Am späteren Nachmittag fahren wir unter vorsichtshalber Verwendung der Sandbleche durch einen sandigen Graben rechts von der Straße ab. Das Gelände lässt sich bestens befahren, nur stellenweise ist der Boden weich, ansonsten eher bretthart. Nach ungefähr einem Kilometer lassen wir uns im Schutz einiger trockener Bäume für die Nacht nieder. Wiedermal gibt's Spaghetti. Etwas entfernt ziehen Dromedare vorbei, laufen aber weg, als ich mich ihnen nähern will. Es ist sehr windig, trotzdem haben wir Feuerholz gesammelt, der Wind wird wohl irgendwann aufhören. Die Sonne geht unter, der Wind bleibt und der Mond fehlt, es wird sehr dunkel, viele Satelliten sind am Himmel zu sehen. Zwei Stunden später läßt sich der Mond dann doch noch blicken. Da es immer noch windig ist und wir außerdem nicht alleine in dieser Gegend zu sein scheinen, lassen wir das Feuer bleiben. Um 22 Uhr legen wir uns hin.

16. September

Kurz nach 6 Uhr stehen wir auf, die Nacht war warm und vor allem mückenreich. Antonio hatte einen (Zitat) "Anfall" bekommen und sein Bett durch die Gegend getreten, die Mücken waren wohl schuld daran. Über offenem Feuer kochen wir unser Kaffeewasser. Im Feuer findet auch trockener Dromedarschiss Verwendung. Eigentlich hatten wir ja genug Feuerholz gesammelt, aber ich wollte eben mal ausprobieren, ob das Zeug wirklich brennt. Unsere Position: 29°51'50"N, 7°06'34"W. Während wir unseren Krempel im Auto verstauen taucht aus dem Nichts eine sehr ärmliche ältere Frau mit zwei kleinen Kindern auf und bittet um Brot, Wasser und Geld, wir füllen ihre Flasche auf, geben ihr unsere übrigen Fladenbrote und ein paar Dirham. Wortlos verschwindet sie wieder. Kurz vor 10 sind wir wieder auf der Straße. Sie läßt sich traumhaft fahren, man könnte fast übermütig werden. Mit Lima Biskuit und 100 km/h durch die Wüste brezeln, das hat schon was. Doch das Glück hält nur eine gute halbe Stunde, dann meldet sich mal wieder ein Platter: wieder hinten links, doch diesmal hat es den Reifen schlimmer erwischt, da wird wohl nichts mehr zu flicken sein. Während wir das neulich geflickte Rad montieren, kommt einer dieser überladenen alten Bedford-Lkw, die hier überall rumfahren, vorbei. Im Vorbeifahren werden wir freundlich gegrüßt und per Geste gefragt, ob alles in Ordnung sei. Ist es. Wenig später sind wir wieder unterwegs. Um 11 Uhr kommen wir in Tissint an, wiedermal Polizeikontrolle. Sehr sorgfältig schreibt einer der beiden Polizisten alle unsere Daten total chaotisch auf einem schmuddeligen Zettel nieder, während wir versuchen, uns mit dem anderen zu unterhalten. Der Benz eignet sich dabei ganz gut als Thema, er versteht aber überhaupt nicht, daß Mercedes den 123er nicht mehr baut, schliesslich sei das ja der Beste. Die wissen hier wohl was gut ist, verkaufen werden wir ihn trotzdem nicht. Dann will er noch unseren Reiseführer sehen und ist ganz enttäuscht, daß der Wasserfall, der ca. 40 m entfernt sein soll, nicht erwähnt ist. Er erklärt aber uns den ganzen weiten Weg dorthin, wir fahren also hin. Tatsächlich findet sich nach ein paar Metern besagter Wasserfall, viele einheimische Jugendliche tummeln sich hier im Wasser, natürlich bleiben wir nicht lange unbeachtet. Wir unterhalten uns mit jemandem, der Französisch spricht, während wir unter ständiger Beobachtung der anderen bleiben. Es ist schon sehr verlockend, hier schwimmen zu gehen, doch so ganz wohl ist uns bei dem Gedanken, alles, was wir besitzen, im Auto zu lassen dann doch nicht. Wir machen also noch ein paar Fotos und fahren weiter. Die Sache mit dem Schwimmen holen wir dann kurz hinter dem Ort in einem leider etwas gammeligen Fluß nach. Kurz vor 13.00 fahren wir weiter auf der 7084 Richtung Tata. 13.30 Tata, wir kaufen Cola und Vorräte ein und versuchen in einer Apotheke irgendein Mittelchen zur Wasseraufbereitung zu bekommen, da unser Certisil bald leer sein wird. Erwartungsgemäß gibt es hier sowas nicht, im Endergebnis werden wir in einen Laden geschleift, wo es für ein paar Dirham Ace (die milde Bleiche!) gibt, die man laut der arabischen Anwendung auch für unsere Zwecke benutzen können soll. Na denn ... . Die Suche nach einem gebrauchten Ersatzreifen -im ganzen Ort gibt es immerhin genau einen in unserer Größe- scheitert an dem unverhandelbaren Touristenpreis, der uns angeboten wird. Um 15.00 fahren wir weiter, 16.00 Akka. An der Einmündung der P30 wiedermal eine Polizeikontrolle, die länger dauert. Irgendwas gefällt den Herren an Haubis Pass nicht. Erst um 17.30 fangen wir an, nach einem Nachtplatz zu suchen, holen uns dabei auf einer steinigen Piste den zweiten Platten des heutigen Tages. Erst im Dunkeln finden wir hinter Icht einen Platz abseits einer Piste, von ein paar Büschen dürftig abgeschirmt. GPS: 29°05'39"N, 8°52'58"W.

17. September

6 Uhr aufstehen, 9.15 Aufbruch, nix besonderes. Um 11 Uhr kommen in Taghjijt, einem kleinen Ort, an einer Art Reifenhändler vorbei. Einen Reifen hat auch er nicht für uns, dafür steigt der Junior des Ladens ein und führt uns zu einem anderen Händler. Verwunderlich, daß wir uns auf dem Weg dorthin nicht den nächsten Platten einhandeln. Für 350DH wird uns dann ein steinalter Kleber-Reifen mit Spikes präsentiert, wir lehnen dankend ab und bringen den Junior zurück. Der Reifen, der gestern als zweiter die Luft gelassen hatte, wird zum zweiten Mal an genau der gleichen Stelle geflickt, für ein paar Kilometer ist er im Notfall sicher immer noch besser als gar kein Reifen. Um 12.00 kommen wir in Bouizakarne an, ein Reifenhändler will über 600DH für einen neuen Reifen in falscher Größe haben, wir telefonieren kurz nach Hause und Antonio treibt in einem kleinen Laden eine fast gefrorene Flasche Wasser auf. Man wundert sich, über was man sich nicht alles freuen kann. Wir fahren weiter, passieren bald Tagant, wenig später Guelmim. Wir machen mal wieder Melonenpause, einige der Pflanzen hier sehen aus wie Moosknubbel, sind aber steinhart. Haubi und ich stochern in einer von ihnen rum, bis mir auffällt, daß sie irgendwie naß ist. Antonio freut sich wie sonstwas und wird es auch noch die nächsten Tage tun, wir nicht, jedenfalls scheinen wir es geschafft zu haben, uns genau diese eine unter tausenden zum Drinrumstochern auszusuchen, die sich vorher schon Antonio zum Draufpinkeln ausgeguckt hatte. Also ekeln, Hände waschen und weiterfahren. Die Landschaft ändert sich, ist leicht hügelig, ansonsten nur kleine trockene Büsche, Sand, Steine. Es wir deutlich kälter, man merkt, daß dasOrtseinfahrt von Tan Tan Meer nicht mehr weit weg sein kann, auch wenn das zu der Landschaft hier irgendwie gar nicht passen will. Um ziemlich genau 15.15 erreichen wir Tan Tan, wo uns auffällt, daß die Kombination Sommer und Sonntag nicht die günstigste ist, um etwas zu wollen. Trotzdem finden wir einen Reifenhändler, der uns für einen vernünftigen Preis einen brauchbaren Reifen verkauft. Gut gelaunt fahren wir weiter nach Tan Tan Plage. Der erste Blick auf´s Meer, dazu furchtbare Musik vom Schlage Britney Spears und Vengaboys - einfach gut! Wir kaufen Obst und frisches Fleisch mit Fliegen und fahren weiter Richtung Laayoune zur Nachtplatzsuche, halten an einer Lagune mit Flamingos und Sanddünen an. Leider gibt es hier abseits der Straße kein Durchkommen für den Benz, wir machen noch ein paar Fotos, fahren weiter. Wir kommen mal wieder in eine Polizeikontrolle und werden nach vorgefertigten Zetteln mit unseren Daten gefragt. Haben wir immer noch nicht, zum Schreiben scheint der Beamte aber selbst zu faul zu sein - "Bon voyage!". Soll uns nur recht sein. Kurz später fahren wir rechts von der Straße ab in Richtung der Steilküste, an der die Straße entlangführt, lassen uns nach einigen hundert schwierigen Metern bei einem verlassenen, ca. 2 x 2m großen Gemäuer nieder. Zu Fuß gehen wir in der einsetzenden Dämmerung bis zur nahen Küste, sieht schon beeindruckend aus, irgendwo unter uns liegt ein halb verrottetes Schiffswrack. Nur feucht ist es hier, ziemlich feucht sogar. Nach wenigen Minuten ist alles mit einer schmierigen Salzschicht überzogen. Hätte man sich ja eigentlich auch denken können! Aber einen besseren Platz für die Nacht finden wir jetzt eh nicht mehr. Wir setzten uns also in den Schutz der Mauern und braten unser Fleisch. Haubi opfert noch einen Riesenkäfer einem Ameisenstamm, im Windschutz des Autos legen wir uns dann in die Betten.

18. September

Etwas später als sonst wachen wir auf, ich ausnahmsweise als erster. Alles ist triefend naß. Toll. Trotzdem packen wir die Sachen zusammen, gehen noch mal kurz zur Küste, um uns alles noch mal im Hellen anzusehen und kochen Kaffee. Am späten Vormittag machen wir uns auf den Weg zurück Richtung Tan Tan, wo wir in Die Mobarakein Internetcafé wollen. Unterwegs machen wir noch kurz Halt an einem Strandstück, gehen kurz ins Wasser. Auch hier liegt ein Wrack, die "Mobarak". In Tan Tan Plage versuchen wir, noch einen weiteren Reifen zu besorgen, sieht aber alles komisch aus, also weiter. Als wir in Tan Tan ankommen hat bis auf die Tanke, wo wir Wasser und Diesel nachladen, so ziemlich alles geschlossen. Am Nachmittag sollen nach einheimischer Auskunft zumindest die Internetcafés wieder aufhaben. Wir fahren also vor den Ort, setzen uns neben der Straße in die Sonne und warten bei Melone und Kaffee auf den Nachmittag. Tatsächlich ist später wieder alles offen, nur komme ich nicht an meine gmx-Box ran. Auch schön. Ansonsten machen wir noch einen Großeinkauf, inklusive Klopapier und neuer Munition für die Kameras. Sehr lustig ist übrigens wie sich die Händler eigentlich immer um mehr als das doppelte verrechnen, seltsamerweise aber immer nur nach oben. Wenn man sich dann beschwert, wird zum Beweis, daß alles seine Richtigkeit hat, noch mal alles in denFlugzeugwrack bei Tan Tan Taschenrechner getippt. Dann kommt wieder was ganz anderes raus. Beim nächsten mal auch. Dann wird auf Papier nachgerechnet. Irgendwann stimmt´s dann, aber dafür fehlt dann beim Wechselgeld wieder was ... . Um 17.15 verlassen wir Tan Tan auf der P44, wiedereinmal ist die Zeit bis zur Dunkelheit knapp. Trotzdem halten wir kurz an, als wir am Straßenrand ein altes Flugzeugwrack liegen sehen, Antonio und ich freuen uns wie kleine Kinder und klettern drauf rum. Eine Stunde später haben wir dann in einer kleinen Senke, etwas entfernt von der Straße, einen brauchbaren Platz für die Nacht gefunden (28°16' 51"N, 11°12' 06"W). Wir bauen schnell alles auf, da die Schlafsäcke wenigstens noch ein bißchen trocknen sollen. Tun sie nur leider nicht. Den ganzen Tag schon fühle ich mich irgendwie komisch und dauernd wird mir schwindelig, obwohl ich hartnäckig versuche, das zu ignorieren. Haubi geht es ähnlich, Antonio nicht. Mal abwarten, was da noch kommt. Unser Certisil ist auch leider verbraucht, mit Ace schmeckt das Wasser furchtbar, ein leckerer Schluck Schwimmbadwasser wäre da schon einiges angenehmer. Zum Abendessen gibt's endlich mal wieder Spaghetti, heute mit Zwiebeln. Das ganze wird noch mit einer Melone gekrönt und wir fangen langsam an zu überlegen, ob an diesem ganzen Quatsch von wegen ausgewogener Ernährung, den man überall hört, vielleicht doch was dran sein könnte. Es ist recht windig und kalt, mein Schlafsack ist immer noch naß. Dementsprechend gemütlich wird die Nacht.


  [ << ] [ Teil 1 ] [ Teil 2 ] [ Teil 3 ] [ Teil 4 ] [ Teil 5 ] [ >> ] [ Bilder ] [ Links ]
[ Home ] [ Mail ]

© 2001 A. v. M.
optimiert für Netscape 4.x und BA min.800x600