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.Karte: Marokko und Westsahara

Marokko 2000

Reisebericht

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Reiseroute :

Ceuta - Martil - Tetouan - Chefchaouen - Ouazzane - Fès - Bir-Tam-Tam - Tafferte - Taza - Guercif - Outat-Oulad-El-Haj - Missour - Rich - Tymarine - Rich - Errachidia - Goulmima - Erfoud - Rissani - Alnif - Tazzarine - Zagora - Tagounite - Mhamid - Zagora - Agdz - Ouarzazate - Foum-Zguid - Tissint - Tata - Akka - Icht - Bouizakarne - Tagant - Guelmim - Tan Tan - Abbeteh - Smara - Laayoune - Lemzid - Boujdour - Dakhla - Boujdour - Lemzid - Laayoune - Bou Craa - Tarfaya - Tan Tan - Guelmim - Bouizakarne - Tka Akhsass - Tiznit - Bge Youssef Ben - Agadir - Taroudannt - Tizi-n-Test - Asni - Marrakech - Ben Guerir - Casablanca - Rabat - Kenitra - Ksar-el-Kebir - Tanger


Teil 3 (19. September bis 25. September)


19. September

Haubi steht mal wieder um 6 Uhr auf, nervt rum, bis auch wir aufstehen. Da ohnehin noch alles trocknen muß, will so gar keine Hektik ausbrechen. Es ist kalt, windig und bewölkt. Das sind eindeutig die riesigen Käfer schuld, die hier überall rumlaufen. Antonio findet einen Skorpion, der sich, selbst mit vielen Käfern in einem Kochtopf eingesperrt, nicht für diese interessiert. Wir lassen also alle wieder frei... . Zum Frühstück gibt's dann Kaffe mit Melone. Es folgt langes Rumgammeln mit Rasieren, Duschen (eine Wasserflasche mit kleinem Loch im Deckel hat sich da bestens bewährt) und allem, was sich sonst noch so anbietet. Um 12.30 gelingt uns dann endlich mal der Aufbruch. 13.30 Abbeteh, wiedermal Polizeikontrolle, wiedermal wird alles mögliche, Name der Eltern, Beruf etc., aufgeschrieben. Die Mühe, alles zu buchstabieren mache ich mir nicht mehr, ein angenehmer Nebeneffekt davon ist, daß sich die Polizisten freuen, auf Anhieb alles richtig zu schreiben, so haben alle was davon. Einer der Polizisten kennt sich ziemlich gut in der Bundesliga aus, zumindest besser als wir. Er ist Bayern-München Fan, vom FC Köln will er sich nicht überzeugen lassen. Na wenn das so ist!Warum nur? Wir wissen es nicht. Er meint, ein Mercedes wie unserer sei hierzulande 30000DH, umgerechnet 6000DM, wert. Verkaufen werden wir ihn wohl trotzdem nicht. Weiter geht's, immer weiter in immer offenere Wüste. Bewuchs gibt es fast gar nicht mehr, nur noch die Straße und ziemlich viel Nichts rechts und links davon. Um 14.30 kommen erklärt uns ein Schild, daß wir jetzt in der "Province Smara" sind, das scheint gleichzeitig der Übergang zur Westsahara zu sein. An der Tanke direkt hinter dem Schild kostet der Sprit jedenfalls nur noch die Hälfte. Marokko subventioniert den Sprit in der Westsahara, um die Besiedlung etwas zu fördern (oder so ähnlich). Das Essen, das an der Tankstelle angeboten wird, ist jedenfalls gut und vor allem Abwechslung! Einer der eigenartig vielen Leute, die wohl alle irgendwas mit der Tankstelle zu tun haben, spricht ziemlich gutes Deutsch. Er hat wohl ein paar Jahre inHolzsammeln Agadir als Kellner gearbeitet und war froh, mal wieder deutsch zu reden. Wir fahren weiter, teilweise ist bis zum Horizont nur Sand zu sehen, Begeisterung kommt auf. Bald läßt sich absehen, daß wir Smara heute nicht mehr erreichen werden. Außerdem sieht die Wüste viel zu verlockend aus, um da nicht mal querfeldein zu fahren. Wir halten also an, lassen den reifendruck auf 1,5bar ab. Hierbei fällt uns dann auf, daß wir bisher die Druckanzeige der Pumpe immer falsch interpretiert hatten und die Reifen für die Straße immer auf fast 3bar aufgepumpt hatten. Schön blöd, da wundern unsere bisherigen Plattfüße auch nicht mehr. Wir speichern noch unsere Position ins GPS ein, nur zur Sicherheit, und fahren drauf los. Senkrecht von der Straße weg, einigermaßen fester Sand, teilweise wellig, kaum Steine, kein Problem. Na also, geht doch, der Benz macht seine Sache ziemlich gut, gebaut ist er schließlich für was anderes. Antonio, später auch ich reiten auf dem Dach mit. Mal abgesehen davon, daß das Spaß macht, kann man von hier oben auch noch viel weiter voraussehen und tiefe Sandpassagen erkennen. Aber das war nur der angenehme Nebeneffekt, nötig sicherlich nicht. Nach ein paar Kilometern halten wir an und beschließen da angekommen zu sein, wo wir hinwollen: an unserem Nachtplatz. In der Ferne entdecken wir aber allen Ernstes Häuser (Wer bitte soll hier(!) wohnen?!?), fahren also noch ein paar Kilometer weiter. Unterwegs aufgesammeltes Feuerholz schleifen wir hinterher. Bei 27°05' 30"N, 11°41' 15"W sind wir endgültig an unserem Nachtplatz angekommen. Nach dem Sonnenuntergang wird es tierisch windig, Sand überall, verdammt kalt, ziemlich ungemütlich. An Feuer ist gar nicht zu denken, auch über dem Kocher bekommen wir kaum unsere Spaghetti fertig, viel zu windig. Der Sternenhimmel wird durch keine Stadt verhunzt, sehr beeindruckend. Zum Schlafen verkriechen sich alle bis auf ein kleines Luftloch im Schlafsack, so läßt es sich einigermaßen aushalten. Mein Schlafsack flattert noch recht heftig im Wind, ist aber egal, da ich sofort einschlafe.

Wueste Wueste Wueste

20. September

Um halb 8 stehen wir auf, die Nacht war wohl recht frisch, die Schlafsäcke sind mal wieder naß, und es ist immer noch windig und kalt. Wir schaffen es deutlich früher als sonst, nämlich um 10 Uhr, aufzubrechen. haubi gibt sich den Ritt auf dem Dach, per GPS navigieren wir zu genau dem Punkt, an dem wir gestern von der Straße abgefahren waren. Gut zu wissen, daß das Gerät funktioniert, vielleicht braucht man´s ja wirklich mal. Vor Smara wiedermal Polizeikontrolle, um 12 Uhr sind wir schließlich im Ort. Die beiden Banken haben geschlossen, sollen aber gegen 14.30 wieder aufmachen. Wir telefonieren kurz nach Hause, das Gespräch wird per Hand vermittelt und nach Stoppuhr abgerechnet. Großeinkauf bei einem kleinen Händler, der nach wildem Eintippen auf seinen Taschenrechner den knapp 3fachen Preis herausbekommt, der natürlich mal wieder ganz sicher vollkommen in Ordnung ist, nach langer Diskussion gibt er aber irgendwann auf. In einer Art Markthalle essen wir gebratenen Fisch, kaufen später in einem Laden, der Kassetten verkauft, arabische Musik, die wir mangels Kenntnissen nach dem Bild auf dem Cover aussuchen. Was schön anzugucken ist, ist ja bestimmt auch schön anzuhören. Den Rest der Zeit bis zum Öffnen der Banken wollen wir bei einem Tee in einem Café totschlagen, nur leider beachtet uns hier niemand. Nur ein älterer Vermummter kommt vorbei, streicht zuerst dem in der Nähe geparkten Benz über den Kotflügel, setzt sich zu uns an den Tisch, guckt uns irre an und brabbelt irgendwas auf Arabisch. Als er merkt, wie gut wir ihn verstehen, redet er lauter - immer noch nicht besser. Daraufhin wird er richtig böse, redet noch was vor sich hin und schlendert weiter. Nun gut, schön dich kennenzulernen! Im Allgemeinen wird uns aber im ganzen Ort keine besondere Beachtung geschenkt. Nachdem die Banken endlich geöffnet und wir Geld getauscht haben, fahren wir weiter. Der Fahrer eines Landrover winkt uns wild zu, steigt aus und will unser Auto kaufen. Wir wollen aber immer noch nicht verkaufen und er fährt weiter.

Strasse bei Smara Landrover Petrom Sahara

Um 14.45 verlassen wir dann Smara in Richtung Laayoune, der Polizist wünscht uns eine gute Reise. Und schon kommt die nächste Polizeikontrolle, die Herren geben sich aber damit zufrieden, daß unsere Daten schon woanders notiert wurden und warnen uns noch vor der schlechten Straße. Die arabische Musik ist schon recht anstrengend, aber da muß man jetzt wohl Lagerdurch, wir wollten es ja so haben! Irgendwann taucht mitten im Nichts eine Tankstelle auf, vorsichtshalber laden wir hier noch mal Diesel nach, der Tankwart startet erst einen Dieselmotor, der dann die Pumpe für die Zapfsäule antreibt. Lustig. Wenigstens er kann sich an unserer neuerworbenen Musik erfreuen. Mit vollem Tank geht's weiter, um 17.00 fahren wir (bei 26°35' 08"N, 12°45'11"W) links von der schlechten, einspurigen Straße ab, um einen Nachtplatz zu suchen und werden auch bald fündig. Es ist wieder ziemlich windig, nach einigem Rumprobieren haben wir dann aber mit dem zwischen einem dörren Baum und dem Dachträger abgespannten Windschutz (Dank an VIVA2 und das Kölner Ringfest!) ein ziemlich ansehnliches Lager aufgebaut. Im windstillen Raum läßt sich ein Feuer anmachen, über dem wir dann die Spaghetti kochen. Der Himmel ist mal wieder klar, weit und breit ist kein fremdes Licht zu sehen. Die Atmosphäre ist bei kleinem Lagerfeuer hinter dem Windschutz einiges angenehmer als gestern. Gegen 23 Uhr legen wir uns hin.

21. September

Erst um 8 Uhr stehen wir auf, der Himmel ist klar, die Luft kühl. Haubi entzündet an der Glut von gestern ein neues Feuer, über dem er den Kaffee kocht. Nach dem Frühstück ist es mittlerweile warm geworden, wir gammeln noch lange rum, keine Hektik, alle Zeit der Welt. Unser Standort: 26°34' 02"N, 12°44' 45"W, keine Lebensform außer uns und ein paar trockenen Bäumen zu entdecken. Irgendwann gegen 13.00 brechen wir auf, Haubi und ich betreiben Extremsport, indem wir den halbstündigen Weg bis zur Straße zu Fuß zurücklegen. Das reicht dann aber auch erstmal wieder an Sport, schnell zurück ins Auto, endlich wieder mal sitzen! Die einspurige Straße ist teilweise neu, teilweise mies wellig. Unterwegs überholen wir noch einen Landrover, auf dessen Ladefläche sich ein Dromedar breitgemacht hat und uns ziemlich blöde anglotzt. Vor Laayoune mal wieder ausführliche Datenerfassung bei der Polizei, im Ort verbringen wir dann erstmal eine Stunde in einem ziemlich schnell angebundenen Internetcafé, danach Einkauf: heute gibt's mal wieder Fleisch. An der Ortsausfahrt wird noch mal vollgetankt, der Tankwart nimmt die Aufforderung zum Volltanken etwas zu ernst und braucht nach dem ersten Rausspringen der Zapfpistole noch ca. 10 Minuten, bis er den Tank für voll befindet. Auf dem Klo tanken wir noch mal Brauchwasser nach. Der Ort war sehr angenehm, sogar ein paar Frauen in "normalen" Klamotten liefen hier herum. Gegen 18.00 geht´s weiter, zuerst durch weite Dünenfelder, die bald flacher Ebene weichen, deren einziger Bewuchs von trockenen Gestrüppen gestellt wird. Nach ungefähr 35km finden wir dann in einer Art Sand- oder Steingrube, gerade mal 200m von der Straße weg, einen sicht- und einigermaßen windgeschützten Nachtplatz. Das Abendessen: Fleisch mit Zwiebeln, Knoblauch und Brot - kann soviel übertriebene Abwechslung überhaupt noch gut sein? Der Himmel ist, glaube ich, noch klarer als die letzten Tage, der Tag endet gegen 22 Uhr.

22. September

Um 7.30 quälen wir uns aus den über Nacht durchnässten Schlafsäcken. Während die Sachen über einen Fels gehängt trocknen, frühstücken wir ganz luxuriös Kekse mit Bananen und Kaffee. Wir befinden uns bei 26°59' 39"N, 13°26' 08"W, von wo wir um 11.30 aufbrechen. Bald durchfahren wir Lemzid, um 12.30 kontrollieren uns vor der Ortseinfahrt von Boujdour die Herren von der Gendarmerie. Nach zwanzig Minuten sind alle scheinbar wichtigen Daten erfasst und wir können weiter. Aber nicht wirklich lange: Keine zwei Minuten später wieder eine Kontrolle, diesmal die Police Marocaine. Nochmal zwanzig Minuten, nochmal werden der Name der Mutter, des Vaters und ähnlich wichtiges in Freestyle-Rechtschreibung fein säuberlich auf irgendwelchen Schmierblättern notiert. Im Ort ein kurzer Einkauf und man ist wieder unterwegs. Um 14.00 ist Strandpause. Der Wagen bleibt oben an der steilen Küste stehen, wir klettern runter zum mindestens 200m breiten, endlos weiten und menschenleeren Strand. Joghurt, Wurst mit einem für Lebensmittel eher ungewöhnlichen Latexüberzug und Brot stellen das Mittagessen. Der Strand liegt voll von riesigen Muscheln, auch ein toter Rochen liegt im abebbenden Wasser. Wir gehen auch kurz schwimmen, das Wasser ist aber definitiv zu kalt, außerdem zieht die Ebbe ziemlich hinterhältig. Nach gut drei Stunden und noch ein paar Teilchen aus Boujdour geht's dann weiter, erst um 18.30 finden wir einen Nachtplatz in einer kleinen Senke ein Stück ab der Straße. Der Windschutz läßt sich zwischen Dachträger und einem Stein spannen, die Spaghetti gibt's heute mit Erbsen, Wurst und Zwiebeln. GPS: 25°17' 09"N, 14°48' 43"W. Hinter dem Windschutz läßt es sich ganz gut aushalten und sogar fast ohne Knirschen essen, der Himmel ist mal wieder sternenklar.

23. September

Haubi steht mal wieder als erster auf, der Himmel ist klar blau und die Sonne treibt irgendwann erst Antonio, Dromedarherdedann sogar mich aus dem Schlafsack. Nach Kaffee, Brot und einem Rest Marmelade sind wir um 10.30 wieder auf der Straße, pumpen die gestern wegen des tiefen Bodens am Nachtplatz auf 1,5 bar abgelassenen Reifen wieder auf und fahren weiter entlang der Küste Richtung Dakhla. Unterwegs machen wir noch Bekanntschaft mit einem Radler aus Deutschland, der unterwegs nach Kamerun ist. Wasser lehnt er ab, obwohl er sich schon etwas wundert, daß die auf der Michelinkarte eingetragene Tankstelle schon über zwanzig Kilometer überfällig ist. Wer nicht will, ... . Weiter also Richtung Dakhla, ein paar Kilometer später taucht tatsächlich die angekündigte Tanke auf, wenig später kreuzt eine große Dromedarherde die Straße. Oder wir die Herde, wie man´s nimmt. Vierzig Kilometer vor Dakhla ist mal wieder ein Kontrollposten. Dieser kann sich sogar mit einer Adler-Schreibmaschine schmücken, die laut ihres stolzen Bedieners noch aus "Hitlers Zeiten" stammt. Mit zwei Fingern auf die Maschine einhackend dauert das Erfassen des Üblichen noch länger als sonst, währenddessen versucht der komische Kauz Antonio auf spanisch davon zu überzeugen, daß nicht nur Franco, sondern auch Hitler ganz tolle Kerle gewesen seien. Das Gegenteil kann er nicht akzeptieren "Franco bien, Hitler gut" - vielen kann er´s hier ja zum Glück eh nicht erzählen. BreitTal des Todes grinsend wünscht er uns noch mit einem freundlichen "Heil Hitler" eine gute Reise und kann gar nicht verstehen, daß wir uns Schildnicht ausgelassen darüber freuen. Oh je. Und weiter. Vor der Ortseinfahrt von Dakhla natürlich noch eine Polizeikontrolle, der Ort selbst sieht sehr "arabisch" aus, die gängige Sprache hier scheint Spanisch zu sein. Nach Fisch in einem Restaurant, Einkaufen und Tanken verlassen wir Dakhla um 16.00, wollen bis Aoussard in die Wüste. Die entsprechende Straße geht am Kontrollposten unseres Franco-Freundes ab, er winkt uns aber direkt zu sich ran und erklärt uns, unsere geplante Strecke sei militärisches Sperrgebiet wegen "muchas minas" und "bouum". Auf unser Nachfragen erklärt er auch, daß es südlich von Dakhla nur im Militärkonvoi nach Mauretanien weiterginge. Wie schlau von uns, daß wir uns da nicht vorher schlau gemacht haben. Auf jeden Fall ein herber Rückschlag. Wir beschließen, später von Laayoune aus zu versuchen, weiter in die Wüste zu kommen und fahren zur Nachtplatzsuche ein Stück weiter Richtung Norden. Bei 24°27' 57"N, 15°02' 11"W verlassen wir mit gut abgelassenen Reifen die Strasse -der Boden ist teilweise ziemlich tief- und lassen uns in einer Art Tal zwischen mehreren großen Hügeln aus sandigem Gestein bei 24°27' 37"N, 15°01' 47"W nieder. Die Spaghetti vom Feuer gibt's heute nur mit Tomatenmark. Chlor aus dem Wasser und Rost mit etwas Benzin aus dem Topf erfreuen Gaumen und Magen, keiner kriegt seinen Teller leer. Wenn ich nicht wüsste, daß ich danach Hunger hätte, würde ich alles auskotzen, aber so lasse ich es lieber bleiben. Ca. 22.00 lege ich mich schlafen.

24. September

Irgendwann gegen 8.00 sind alle wach, das Frühstück besteht aus Kaffee vom Feuer, der allerdings genauso schmeckt wie gestern die Spaghetti. Als ich erleichtert mit dem Spaten hinter dem nächsten Hügel zurück zum Wagen komme, grinsen Antonio und Haubi über beide Ohren. "Hast Du heute Dein Gebiß vergessen?" - Hä?! Ah, verstehe! Haubi hat einen verblichenen, offensichtlich menschlichen Unterkiefer samt ein paar Zähnen gefunden und netterweise sehr dekorativ auf meinem Schlafsack plaziert. Wo kommt denn der her? Und überhaupt, was sind das alles für komische aufgeschichtete Steinhügel hier?! Hm, egal. Ich begrabe dann noch das Feuer unter einem ähnlichen Steinhügel, gegen 10.00 verlassen wir dann das Tal des Todes in Richtung Laayoune. Irgendwann gegen Mittag verlangt dann der Wagen etwas Zuwendung im Sinne von Öl, kurz nach 14.00 sind wir wieder in Boujdour. Nachdem Tanken kaufen wir noch ein, unter anderem Fleisch. Soweit wirPiste verstehen, ist das Pferd oder Kamel oder Ziege oder irgendwas anderes, auf jeden Fall aber Fleisch. An der Ortsausfahrt Polizeikontrolle, 300m weiter wieder. Bei der zweiten Kontrolle bemerkt Antonio, daß einer der Polizisten aussieht wie Scatman John. Stimmt haargenau! Und irgendwie -warum auch immer- ist das gerade ziemlich lustig, vor allem, nachdem er zu einem vorbeifahrenden Lkw-Fahrer etwas gesagt hat, was Antonio versucht, mit "scubbelidubelidoo" oder so ähnlich zu zitieren. Zum Glück schafft er das vor verkniffenem Lachen schon gar nicht mehr. Die Polizisten finden uns scheinbar etwas eigenartig, aber irgendwie schaffen wir es dann dennoch mit halbwegs ernster Miene bis zum Auto und fahren weiter. Bei 26°21' 06"N, 14°09' 51"W biegen wir um 16.00 rechts auf eine Piste, in einer Senke schlagen wir unser Lager auf (24°20' 28"N, 14°09' 18"W), der Windschutz lässt sich gegen einen großen Felsen abspannen. Währenddessen taucht einer älterer Marokkaner in leuchtendem Gewand auf, er ist offensichtlich Hirte und ziemlich freundlich. Campen? "Pas de probleme", nur könnte es sein daß ein paar Kamele vorbeikämen. Über der Glut vom Feuer grillen wir dann unser Fleisch - ziemlich zäh, aber lecker. In weiter Ferne sind Blitze zu sehen, der Himmel ist trotzdem sternenklar. Die Wäsche bleibt also auf der Leine. Die Nacht wird zwar ziemlich kalt und feucht, Regen gibt es aber nicht.

25. September

Das Frühstück fällt diesmal wieder reichlich aus, wegen dem salzigen Wasser von der Tankstelle in Boujdour kochen wir den Kaffee mit H-Milch anstatt Wasser. Derart gestärkt widersetzen wir uns dann auch mehr oder weniger erfolgreich einer anscheinend herrenlosen, aber aufdringlichen Ziegenherde, die bald auftaucht. Die Viecher scheinen ziemlich durstig zu sein. Trotzdem kein Grund, selbst die Waschlauge auszusaufen, in der gerade unsere Hosen einweichen sollen! Und den Schlafsack kann man auch nicht essen! Irgendwie überredet Haubi dann den Chefziegenbock, doch bitte weiterzuziehen, der Rest der Herde folgt ihm artig. Wenig später taucht der Hirte von gestern aus dem Nichts auf, kurzes Hallo und eine Kippe, und er hastet weiter. Sein Kollege kommt gar nicht erst zu uns her. Heute wird es wohl wieder was länger dauern, bis wir loskommen. Bei Sonnenschein und den Chili Peppers ist alles andere als Hektik angesagt. Nach Waschen, Wäsche trocknen lassen, einer Melone, Müllverbrennung, vor allem aber Rumgammeln starten wir um 14.00, eine halbe Stunde später sind wir wieder auf der Straße, noch eine halbe Stunde später sind wir in Lemzid, um 16.30 schließlich wieder in Laayoune. Auf dem letzten Stück trieb der Wind sehr heftig Sand über die Straße, die Schürze des Autos ist blütenweiß und wie gesandstrahlt. Vor der Ortseinfahrt lassen wir noch die Salzbracke Pisteaus den Kanistern, in Laayoune sollte eigentlich brauchbareres Wasser zu bekommen sein. In Laayoune folgt dann erstmal eine Stunde im Internetcafé und eine Proviantauffüllung mit ... (was sonst?) Spaghetti, Tomatenmark, Zwiebeln usw.. An der Tankstelle nickt der Tankwart bei der Frage nach Wasser, nach dem Tank voll war, wollte er davon allerdings nichts mehr wissen. An der nächsten Tanke gibt es zuerst auch kein Wasser, als der Besitzer aber merkt, daß Antonio spanisch spricht, bekommen wir dann doch noch für 10 Dirham alle Kanister voll. Er schlägt uns noch vor, unseren Benz gegen seinen und ein paar Dirham zu tauschen, das Geschäft scheint aber nicht wirklich lukrativ zu sein. Freundlich ablehnend verlassen wir erst um 18.30 Laayoune in Richtung Bou Craa / Smara, biegen irgendwann auf eine schmale Parallelstraße, offensichtlich die alte Straße nach Smara, dann noch auf eine staubige Piste Richtung Südosten , wo wir dann nach ein paar Kilometern am Rande eines steilen Abhangs zu einem Tal hin einen brauchbaren Platz für die Nacht finden. Die Tomatenmark-Spaghetti werden heute mit Erbsen und Knoblauch verfeinert. Unsere weitere Routenplanung: Wir wollen morgen versuchen, über Bou Craa nach Galtat Zemmour zu kommen tiefer in die Sahara rein. Falls dort auch Sperrgebiet sein sollte, soll es zu den Sanddünen bei Al Haggounia gehen. Aber das können wir ja dann morgen entscheiden. Kurz vor 23.00 legen wir uns hin. Unsere Position: 26°59' 07"N, 13°04' 08"W.


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