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Marokko 2000
Reisebericht
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Reiseroute :
Ceuta - Martil - Tetouan - Chefchaouen - Ouazzane - Fès - Bir-Tam-Tam - Tafferte - Taza - Guercif - Outat-Oulad-El-Haj - Missour - Rich - Tymarine - Rich - Errachidia - Goulmima - Erfoud - Rissani - Alnif - Tazzarine - Zagora - Tagounite - Mhamid - Zagora - Agdz - Ouarzazate - Foum-Zguid - Tissint - Tata - Akka - Icht - Bouizakarne - Tagant - Guelmim - Tan Tan - Abbeteh - Smara - Laayoune - Lemzid - Boujdour - Dakhla - Boujdour - Lemzid - Laayoune - Bou Craa - Tarfaya - Tan Tan - Guelmim - Bouizakarne - Tka Akhsass - Tiznit - Bge Youssef Ben - Agadir - Taroudannt - Tizi-n-Test - Asni - Marrakech - Ben Guerir - Casablanca - Rabat - Kenitra - Ksar-el-Kebir - Tanger
Teil 4 (26. September bis 2. Oktober)
26. September
Ohne langes Abhängen und nach ein paar obligatorischen Fotos von umherlaufenden Dromedaren sind wir schon um 10.00 unterwegs in Richtung Bou Craa. Die Straße, zuerst zweispurig, später wieder einspurig mit derben Wellen, fahren wir nicht zum ersten Mal. Hin und wieder erinnert der Unterfahrschutz mit wohlklingenden Schabgeräuschen auf dem rauhen Asphalt daran, daß man hier nicht unbedingt wesentlich schneller als 40km/h unterwegs sein muß. Trotzdem sind wir nach knapp zwei Stunden Fahrt in Bou Craa angekommen. Einen Kontrollposten gibt es hier wohl nicht, trotzdem fragen wir einen Polizisten, wie es denn auf der weiteren Strecken mit Minen aussähe: Nach Goultat Zemour? - Kein Problem, nur mit ein paar Soldaten im Gelände sollten wir schon rechnen. Gute Fahrt! Im Ort (wenn man denn diese Ansammlung von einem Laden, einer Moschee, einem Verwaltungsgebäude und eigentlich keinen Menschen so nennen will) wollen wir noch die Vorräte aufstocken. Während Haubi und Antonio im Laden sind und ich ein paar Fotos mache, treffe ich auf einen Umherlaufenden, der mir erzählt, daß er von der Commune sei und alle die üblichen Daten aufschreiben müsse. Dazu scheint er wohl selber keine Lust zu haben, aber wir folgen ihm ins Gebäude. Langsam scheint sich unsere Anwesenheit rumgesprochen zu haben: Während alle unsere Angaben fein säuberlich auf einen Zettel gekrakelt werden, gesellt sich noch ein Polizist dazu, der dann auch nochmal alles aufschreibt. Etwas später kommt dann noch ein offensichtlich höhergestellter Polizist dazu. Zuerst wird das unmotivierte Geschreibsel seines Kollegen solange verbessert, bis man nichts mehr lesen kann, danach der Zettel nochmal komplett neu geschrieben, wieder ein paar mal verbessert und schließlich für gut befunden. Das ganze dauert eine knappe Stunde und anschließend wollen wir nochmal ein paar Kleinigkeiten besorgen. Im Laden, der mit Fernseher und Billiardtisch ausgerüstet wohl auch Dorftreffpunkt ist, haben sich mittlerweile noch ein Soldat und ein älterer Mann im Schlafanzug zum Fußballgucken versammelt. Der Kerl im Schlafanzug erzählt uns dann, wir könnten unsere geplante Strecke auf keinen Fall fahren, da dort alles Sperrgebiet und voller Minen sei. Aber irgendwie wirkt er mit seinen fünf Zähnen und dem gammligen Schlafanzug wenig autoritär und wir erklären ihm, daß wir ja eben schon den Polizisten gefragt hätten. Und der hat gesagt, das wäre kein Problem. Nach einigem Hin- und Her stellt sich aber raus, daß wir gerade mit dem Obermotz aller hier ansässigen Behörden reden. Na toll! Wären wir wohl besser gar nicht erst in den Ort gekommen, dann hätte man ja nichts gewußt. Aber so könnte es dann ja doch noch Ärger geben, wenn wir irgendwie seinen Truppen über den Weg laufen. Und vielleicht gibt es die mysteriösen Minen ja auch wirklich. Wie auch immer - um 12.30 verlassen wir Bou Craa in die Richtung, aus der wir gekommen sind. Die Stimmung leidet nicht wirklich, blöd ist's natürlich schon. Wir wollen jetzt versuchen, kurz vor Laayoune eine schmale Straße, die laut Karte später zur Piste werden soll, zu erwischen, um nach Al Haggounia zu kommen. Sanddünen sollte man dort auch zu sehen bekommen. Die Karte scheint zwar hinten und vorne nicht zu stimmen, trotzdem finden wir irgendwann eine Abzweigung auf eine Piste, die parallel zu einer im Bau befindlichen Straße verläuft und zu irgendeiner Oase führen soll. Mit wenig Druck in den Reifen kommen wir ganz gut voran. Der Verkehr hier besteht fast nur aus Baustellenfahrzeugen. Der Fahrer eines entgegenkommenden Mercedes Kurzhauber ist ganz aus dem Häuschen und begrüßt uns überschwenglich. Er fragt wo wir hin wollen und erklärt uns den Weg. Das meiste davon verstehen wir einigermaßen, irgendwie scheint unsere Richtung wohl zu stimmen. Die Piste soll irgendwann zu einer alten Straße werden, danach wieder zu einer Piste oder sonstwas. Nur warum wir nach Al Haggounia wollen, kann er nicht so ganz verstehen, der Ort wäre "mort". Trotzdem wünscht er uns eine gute Fahrt. Nach zwei Minuten Fahrt blinkt und hupt ein Lkw-Fahrer hinter uns so lange, bis wir anhalten. Auch er ist wieder sehr freundlich, fragt, wo wir hinwollen, wundert sich auch etwas und erklärt uns nochmal den Weg. Die Beschreibungen der beiden scheinen zu stimmen, irgendwann treffen wir auf eine alte Straße. Wir versuchen immernoch vergeblich, uns auf der Karte wiederzufinden, was nicht so recht gelingen will. Der Fahrer eines entgegenkommenden Lieferwagens, meint aber, nach ungefähr 6 km sollte es rechts abgehen. Damit hat er dann auch recht. Als wir an der Abzweigung (27°02' 25"N, 13°05' 58"W) sind, kommt noch ein Landrover vorbei, dessen Fahrer Antonio auf Spanisch erklärt, daß die Richtung zwar stimme, aber mit dem Auto?! Kopfschütteln - eher nicht! Antonio versteht noch irgendwas von Sandverwehungen, dann fährt der Rover weiter. Wir folgen also der angeblich unmöglichen Straße, die ungefähr genauso breit wie ein Auto ist und deren Wellen immer wieder am Unterboden kratzen, durch kilometerweite Ebene, deren einzige Vegetation von knapp kniehohen Stachelsträuchern gestellt wird. Kurz vor 17.00 verstehen wir dann, was der Mensch im Rover meinte: Eine Wanderdüne versperrt die Straße. Wir sind begeistert, machen Fotos und können die Düne umfahren. Etwas später wollen wir dann noch die Dünenfähigkeit des Benz testen, dieser Versuch endet aber schon nach wenigen Metern mit einer guten halben Stunde Arbeit mit Wagenheber und Sandblechen. Wir fahren die Straße noch ein paar Kilometer weiter und fahren dann ein Stück weg von der Straße ins Gelände, so daß sich der Windschutz zwischen dem Wagen und einem großen Fels abspannen läßt (GPS: 27°15' 43"N, 12°45' 53"W). Während wir unser Lager errichten taucht eine Kamelherde auf, die neugierigen Tiere kommen bis ans Auto. Etwas später erscheint auch noch der dazugehörige Hirte, er wirkt freundlich, nur leider finden wir keine Sprache außer Händen und Füßen, auf der wir uns verständigen können. Kurz darauf kommt noch ein Landrover vorbei, dessen Fahrer wohl zum Hirten gehört. Er spricht etwas Französisch und fragt, ob wir Kamelmilch probieren wollen. Warum nicht? Klar wollen wir. Das wird dann aber irgendwie überhört oder wir haben etwas mißverstanden, er und auch der Hirte verschwinden wieder. Eine Stunde später kommt noch ein Landrover vorbei, der kreuz und quer durchs Gelände fahrend hupenderweise die restlichen Dromedare zusammentreibt. Zum Essen gibt es etwas ganz feines: Spaghetti, Rührei aus 20 Eiern, angebratene Zwiebeln und Knoblauch, gewürzt mit Pfeffer, Salz und angewehtem Sand versprühen Luxus. Der Wind ist recht heftig und der Sand nervt, der Himmel ist klar, alles in bester Ordnung.

27. September
Um 7.00 stehen wir auf, alles ist naß vom Tau und dazu noch mit Sand überzogen. Kaffee gibt's wieder vom Feuer, dazu noch Kekse aus Bou Craa. Der Wind weht weiter alles voll Sand. Antonio freut sich riesig, als, nachdem er ganz schlau gegen den Wind über den Windschutz gespuckt hat, Haubi ein paar Sekunden später einen leichten Aufschlag auf seiner Hose spürt und sich nicht so riesig darüber freut. Ansonsten passiert nichts, ohne Hektik brechen wir um 11.45 auf, weiter in Richtung Al Haggounia. Wieder sind Dromedare zu sehen, diesmal allerdings ohne Begleiter. Nach fünf Minuten Fahrt versperrt wieder eine Düne die Straße. Diese eine wäre vielleicht noch zu umfahren, aber soweit das Auge reicht stehen weitere Dünen auf der Straße. Für den Benz, und damit wohl auch für uns, scheint hier wohl Ende zu sein. Schade eigentlich. Gelohnt hat sich der Abstecher hierher aber trotzdem. Um 13.30 sind wir schon wieder auf der Straße, von der wir gestern rechts abgebogen sind, eine viertel Stunde später erreichen wir die Küstenstraße, wo uns direkt ein Kontrollposten empfängt. An der Tankstelle gegenüber wird anschließend noch die -wie wir glauben- letzte Gelegenheit genutzt, subventionierten Diesel zu tanken. In der Nähe der Küste geht's auf der P41 weiter Richtung Tan Tan. Linksseitig sind immer wieder Sanddünen zu sehen, ansonsten ist die Landschaft öde und steinig bis sandig. Am See Sabkat Tah biegen wir bei 27°45' 24"N, 12°55' 46"W rechts auf eine Piste, die -wenn wir denn die richtige erwischt haben- nach ungefähr 80 Kilometern wieder zurück auf die P41 führen soll. Die Piste läßt sich nur sehr vorsichtig im ersten Gang befahren. Nach wenigen Kilometern erreichen wir ein Haus, an dem wir auf einen Jugendlichen treffen. Auf die Frage, ob wir uns wohl auf der Piste befinden, auf der wir glauben zu sein, antwortet er ziemlich viel ziemlich schnell, wesentlich mehr als "Sandverwehungen" und "Landrover" und einen kritischer Blick auf unser Auto können wir seiner Antwort nicht entnehmen. Aber das ist ja auch schon genug. Wir drehen also um und sind bald wieder auf der P41 in Richtung Tarfaya. Bei Tarfaya begeben wir uns dann auf Nachtplatzsuche, fahren einmal das Dreieck ab von der P41 nach Tarfaya, eine andere Straße zurück auf die P41 und wieder zurück zum Ausgangspunkt, aber irgendwie bleibt die Suche erfolglos. Schon in der Dämmerung finden wir schließlich ein Stück weiter in Richtung Tan Tan ungefähr 200m von der Straße ab einen Platz, der zur Straße hin ein bißchen durch einen Steinhügel verdeckt ist (GPS: 27°58' 44"N, 12°39' 47"W). Die Nacht ist nicht so windig wie in den letzten Tagen, aber sternenklar wie immer.
28. September
Der Tag beginnt gegen 8.00, wie meistens ist Haubi schon länger wach und versucht, uns vom Weiterschlafen abzuhalten. Dabei leistet ihm die Riesenkellerassel "Fidibus" (von den Viechern gibt's hier übrigens hunderte) besonders erwähnenswerte Hilfe. Schließlich kann doch jeder mal Fidibus in seinen Schlafsack lassen, alles andere wäre doch mehr als unfreundlich. Aha. Kaffee ist leider leer, aber Brot und Brühe von Aldi ist noch da. Nachdem wir noch die Landkarte geklebt und ausreichend lange rumgegammelt haben, brechen wir um 11.15 auf. Eine gute Stunde später kurzer Halt bei riesigen Dünen, hauptsächlich der Fotos wegen. Als die Straße ein paar Kilometer weiter an einem Strand vorbeiführt, locken die riesigen Wellen ins Wasser, daß der Strand voll stinkendem Müll liegt stört dabei weniger. Um 14.00 liegen direkt drei Tankstellen hintereinander an der Straße, alle führen den Diesel noch zum verbilligten Preis der Region südlich von Tan Tan (hier: 2,92DH), der später bestätigte Verdacht liegt nahe, daß es sich um die endgültig letzte Möglichkeit, so billig zu Tanken, handelt. Also machen wir den Tank nochmal randvoll. In Tan Tan Plage angekommen, decken wir uns erstmal mit Vorräten ein, unter anderem auch mit Ziegenfleisch. Der Metzger hat wohl gerade frisch geschlachtet, eine riesige Menschentraube schart sich um die kleine Theke. Die noch blutenden Tiere hängen an Haken vor und hinter der Theke, wird von einem Tier etwas abgehackt, entflieht erstmal ein riesiger Fliegenschwarm aus dem Inneren. Für uns zwar immernoch etwas ungewohnt, aber irgendwie scheint das so schon in Ordnung zu sein, schließlich leben hier noch alle. In Tan Tan verbringen wir noch eine gute Stunde im bereits bekannten Internetcafé, ich besorge noch neue Munition für den Fotoapparat, danach verlassen wir den Ort, um eine viertel Stunde später zwecks Nachtplatzsuche nach rechts auf eine steinige Piste in die Berge abzubiegen. Das Gelände bleibt offen, ein paar trockene Kakteen stehen im Geröll. Da es schon dämmert und die Piste kaum noch befahrbar ist, gehen wir ein Stück zu Fuß weiter, um unsere Erfolgsaussichten ohne allzu große Zeitverluste auszuloten. Wenige hundert Meter weiter, etwa hundert Meter nachdem sich die Piste in zwei noch schlechtere -einmal Richtung Berge, einmal in Richtung eines Tales- aufgabelt, finden wir dann einen Platz abseits der Piste, der sowohl mit dem Auto erreichbar, als auch durch ein paar Kakteen ein bißchen windgeschützt ist (GPS: 28°30' 21"N, 10°56' 46"W). Ein paar Minuten und viele weggeräumte Brocken später steht dann auch das Auto da, wo es hin soll und bietet zusätzlichen Windschutz. Besonders toll ist es hier eigentlich nicht, nach gebratenem Fleisch und Bohnen vom Feuer sieht es schon einiges gemütlicher aus. Nach Einbruch der Dunkelheit läßt der Wind etwas nach, es kommen noch zwei Geländewagen und zwei Eselskarren vorbei, ansonsten wird die Stille nur vom dezenten Bruzzeln der wenig entfernt verlaufenden Überlandleitung getrübt. Wir lassen noch das Feuer ausbrennen, in dem wir mangels Feuerholz hauptsächlich die hier en masse vorhandenen vertrockneten Kakteen verbrannt haben und legen uns kurz vor Mitternacht schlafen.
29. September
Als wir um 7.00 aufstehen, läßt sich das Feuer noch an der Glut von gestern abend entfachen. Während wir genüßlich Kaffe mit Keksen und Bananen frühstücken, kommt ein Pick Up die Piste aus Richtung der Straße hochgefahren, der Fahrer grüßt freundlich und fährt vorbei in die Berge. Etwas später kommt ein mit drei Polizisten oder Sonstwassen besetzter Land Cruiser aus Richtung der Berge angefahren und steuert auf uns zu. Zuerst fragen die drei, ob wir etwas Bremsflüssigkeit für sie hätten, da der Toyota wohl einen recht hohen Verbrauch daran hat. Leider können wir nicht helfen, was aber nicht ernsthaft zu stören scheint. Bevor sie wieder fahren, fragen sie noch, ob wir einen Pick Up gesehen hätten. Unbedachterweise schicken wir sie in die richtige Richtung und sie fahren also zurück in die Richtung, aus der sie gekommen sind. Etwa eine Stunde später kommt noch ein weißer Geländewagen vorbei, die drei Mann Besatzung fragen nach den Polizisten. Konsequenterweise weisen wir auch Ihnen die richtige Richtung, sie fahren also in Richtung der Berge, kommen nach zwei Minuten wieder ein Stück zurück in unsere Richtung, drehen wieder und verschwinden. Keine Ahnung, was hier los ist, wir jedenfalls entspannen bei Red Hot Chili Peppers und finden alles einigermaßen lustig. Gegen 11.30, wir haben gerade das Auto gepackt und befüllen die Waschtrommel mit Wasser, kommt ein weiterer Pick Up aus Richtung der Straße angefahren und hält 100m von uns entfernt an der Gabelung. Der Fahrer steigt aus und weist an uns gerichtet fragend in die zwei von ihm aus möglichen Richtungen (Richtung Berge, wo bisher alle hingefahren sind und in Richtung eines Tales). Wir weisen in Richtung der Berge, woraufhin er in die andere fährt. Direkt danach kommen noch drei weitere gleichaussehende Pick Up's vorbei, die Fahrer grüßen uns alle freundlich und fahren in gemächlichem Tempo in die bisher übliche Richtung. Aber kaum aus unserem Blickfeld verschwunden, kommen sie zusammen mit einem Landrover im Affenzahn zurück, sammeln sich zusammen mit dem, der gerade ins Tal gefahren ist an der Gabelung - wildes Hin- und Hergerenne zwischen den Fahrzeugen. Der Polizei-Toyota taucht auf, querfeldein und mit gewaltigem Tempo auf die Pick Up's zu, die alle in verschiedene Richtungen verschwinden. Das Schauspiel scheint zuende zu sein, wir fahren los und sind um 12.15 wieder auf der P41 nach Guelmim. Es weht extrem viel Sand über die Straße, so daß ich nach Vorbild der Einheimischen die Scheinwerfer abklebe, um das Glas vor Erblindung zu schützen. Gut aussehen tut's nebenher auch noch.

Kurze Zeit später geraten wir in der wüsten Gegend tatsächlich in einen Sandsturm, die Sicht sinkt auf unter zwanzig Meter. Nach ein paar Minuten ist der Spuk vorbei, um 14.00 sind wir in Guelmim, wo wir kurz einkaufen. Während Haubi im Auto wartet, wollen 3 Jungen unbedingt fotografiert werden, Haubi schenkt Ihnen ein Päckchen Kaugummis und sie ziehen zufrieden von dannen. Es ist bewölkt und nieselt ab und an, als wir dem Anti Atlas entgegenfahren. 14.45 Bouizakarne, danach geht es in Serpentinen in die Berge, wo wir an einem verunglückten Lkw vorbeikommen. Es scheint einiges passiert zu sein, viele Menschen wuseln hier herum. Weiteres Gaffen sparen wir uns denn trotzdem. Die Gegend scheint wieder belebter, auch die fast schon vermissten "Latschis" (Def.: Langstrecken-Fußgänger mit aller Zeit der Welt) sind hier wieder vermehrt unterwegs. 15.30 Tka Akhsass, 16.00 Tiznit, 16.30 biegen wir auf eine offenbar irgendwie bewirtschaftete Ebene ein, in der viele Palmen wachsen, um einen Platz für die Nacht zu suchen. Leider werden wir hier nicht fündig und wir folgen weiter der Straße Richtung Agadir. Laut Karte genau 66km vor Agadir biegen wir auf eine schmale Straße zum Stausee Bge Youssef Ben ab. Nachdem wir über die Staumauer gefahren sind, entdecken wir eine Piste, die offensichtlich um den See führt. Wir folgen der schmalen Piste, auf der man abschnittsweise ziemlich gut zielen muß, um nicht in die tiefen Spurrillen abzurutschen, was mit ziemlicher Sicherheit Ärger mit den Spurstangen bedeutet hätte. Ansonsten kommen wir aber gut voran und haben 20 Minuten später einen angenehmen Platz an einer Art Wendehammer gefunden (GPS: 29°49' 38"N, 9°29' 13"W). Antonio klettert auf einen der Berge und kommt erst in der Dunkelheit leicht panisch wieder. Er hatte sich wohl etwas verschätzt und kaum noch den Abstieg gefunden. Es kommen noch zwei Eselskarren und ein Mofa vorbei, der Mofa-Fahrer grüßt freundlich, Aufsehen scheinen wir hier aber nicht zu erregen. Nach Spaghetti mit Tomatenmark, Zwiebeln und Knoblauch legen wir uns schon um 21.30 hin.
30. September
Um 7.15 stehen wir auf und frühstücken wie üblich. Ohne großes Gammeln sind wir um 10.15 wieder auf der Piste und eine halbe Stunde später wieder auf der Straße. Während wir gerade den gestern für die Piste abgelassenen Reifendruck wieder erhöhen, "zieht ein Schwarm weißer Touri-Geländebomber an uns vorbei. die Outdoorfreunde quetschen sich wie die Ölsardinen in den Landrovern. Wir können uns ein Schmunzeln nicht verkneifen, winken und fahren los Richtung Agadir"(Haubi). Je näher wir an Agadir herankommen, desto wilder wird gefahren und überholt. Insgesamt ist aber alles im grünen Bereich, nur ein paar mal muß Antonio wegen etwas eigenartiger Überholmanöver im Gegenverkehr bremsen. So richtig mitmischen können wir hier mit dem überladenen Diesel aber leider nicht. Etwa eine halbe Stunde vor Agadir füllen wir den restlichen Diesel aus den Kanistern in den Tank, 12.30 sind wir dann im Ort, fahren direkt durch zum Campingplatz. Nicht viel los hier, wir stellen uns neben eine Gruppe von drei Wohnmobilen, die französischen Rentnern gehören, waschen unsere Wäsche und danach folgt die erste richtige Dusche seit langem, irgendwie erscheint das nach vier Wochen Wasserflaschenduschen richtig nobel. Die ganzen mittlerweile sehr gammeligen T-Shirts weichen in einer kräftigen ACE-(Bleiche)-Lösung ein, das Zeug eignet sich neben der Trinkwasserkonservierung wohl tatsächlich auch zum Bleichen. Ungewohnterweise frisch gewaschen machen wir uns dann ein paar Bier von der Campingplatzbar später gegen 17.30 auf den Weg in die Stadt. Bei Mickey's Burger gibt's zu deutschen Preisen Burger mit Fritten. Die meisten Leute hier sprechen ein paar Brocken deutsch, die meisten Restaurants haben sogar deutsche Speisekarten aushängen und bieten Köstlichkeiten wie "Wiener Schnitzel" und "Zwiebelsuppe" an. Ziemlich krasser Gegensatz zur letzten Zeit. Straßenhändler, die "Kif" verkaufen wollen, gibt es wohl mehr als genug. Mit Bier aus dem Supermarkt gehen wir erstmal an den Strand, wo ein Mietgeländewagen im flachen Wasser den Strand hoch und runter brezelt. Im "Biergarten" wollen wir uns aber doch noch einen Döner gönnen, verlassen den Laden aber ganz schnell wieder, als der Kellner Einheimische von einem Tisch vertreiben will, damit wir uns setzen können. Später essen wir woanders unsere Döner, [...], irgendwann in der Nacht sind wir wieder am Campingplatz und essen erstmal Brot mit Pfeffer und Salz, dazu Kekse mit Milch und einer Honigmelone. Nachdem auch Antonio es geschafft hat, sein Bett aufzubauen, schlafen alle recht bald. Wohlgemerkt neben dem Zelt. Ach ja, ganz wichtig: 30°25' 36"N, 9°36' 22"W
1. Oktober
Um 8.00 werde ich von einer Taube im Baum über uns geweckt. Das ist ungerecht, die beiden anderen sind also auch bald wach. Noch etwas langsam gehen wir im Campingplatzladen fürs Frühstück einkaufen. Ich wasche noch die T-Shirts aus, die sogar einigermaßen weiß geworden sind. Die Franzosen neben uns reisen ab, wir unterhalten uns noch mit einem deutschen Rucksacktouristen, der wohl irgendwann letzte Nacht gekommen ist. Er will irgendwann mal mit einem Esel durch Marokko reisen. Abgefahrene Idee eigentlich! Wir machen schonmal das Auto startklar und gehen irgendwann nach Mittag nochmal in die Stadt. Nach Telefon und Internet bewegen wir uns Richtung Strand, der aber fast nur von Touri-Rentnern und männlichen Marokkanern bevölkert ist. Um genau 17.10 verlassen wir Agadir auf der gut ausgebauten P32 Richtung Taroudannt, kurzer Einkauf in einem Vorort, die Nachtplatzsuche an einem Feldweg links der Straße scheitert an zu vielen Leuten. Später finden wir abseits einer Nebenstraße noch einen Platz an einem Feld unter fiesen Stachelbäumen (30°25' 06"N, 8°58' 22"W). Die Spaghetti sind heute mit Ölsardinen verfeinert, von einer Moschee schallt der Lautsprecher durch die Nacht, ziemlich viele Straßenköter sind unterwegs, kommen teilweise recht nah an unser Lager, gegen 22.30 ist Ende für heute.
2. Oktober
Vielleicht hundert Meter entfernt bewacht jemand seine Schafe, als wir gegen 8.30 aufstehen. Das Interesse des Hirten wecken wir aber offensichtlich nicht weiter. Während des Frühstücks gesellt sich ein vielleicht 30jähriger uns, der mit seinem Fahrrad vorbei kam. Die Einladung zum Kaffee nimmt er dankend an. Schnell ist das übliche Wohin und Woher abgehakt und er erzählt, wie schlecht es im Moment mangels Regen mit der Landwirtschaft hier in der Gegend aussieht. Es gäbe kaum Arbeit, er selbst habe auch keine, zusammen mit zwei Schwestern wohnt er mit seinen Eltern in einem Haus hier in der Nähe. Ohne Geld und Arbeit sähe es auch mit dem Heiraten etwas schwierig aus und auch seine Schwestern seien ohne Mitgift schwer vermittelbar. Er wirkt sehr frustriert, drei Mal habe er schon versucht, in der Reserveradmulde eines Lkw nach Las Palmas zu kommen, dort gäbe es Arbeit. Aber jedesmal sei er erwischt und zurückgeschickt worden. Blöde Situation, irgendwie geht's uns wohl schon ziemlich gut. Zum Schluß tauschen wir noch Adressen aus und er fährt weiter. Beim Packen guckt uns noch ein anderer Radfahrer zu, um 11.15 geht es denn endlich weiter. Um 12.30, gut 50km hinter Taroudannt, verlassen wir die gut ausgebaute P32 und fahren weiter auf der S501, die über Tizi-n-Test und Asni nach Marrakech führt. Einspurig geht es in engen Serpentinen ins Gebirge, immer direkt am Abgrund entlang. Die Nissan Fighter (warum heißen die wohl so?!) und gleichartige Genossen machen ihren Namen alle Ehre und werden recht schnell durchs Gebirge gejagt. Vorsicht ist geboten, Vorfahrt hat schließlich der stärkere und das sind leider nicht wir. Bei der Teepause in einem Café am Straßenrand treffen wir ein italienisches Paar. Der etwas gezwungene Small Talk auf Englisch bringt nicht wesentlich mehr, als die Erkenntnis, daß er aus Pisa kommt und sie aus Rimini, ist aber trotzdem ganz lustig. Später machen wir noch kurz Pause an einem kleinen Gebirgsbach, dessen Wasser doch deutlich besser schmeckt als unser Ace-versetztes Tankstellenwasser. Nachdem wir den höchsten Punkt überquert haben und es durch Pinien- oder Zedernwälder wieder bergab geht, beschließen wir gegen 16.30, noch heute bis Marrakech zu fahren. Eine Stunde später sind wir am Ortseingang. Auf der Suche nach dem Hotel Ali, welches laut Erika Daerrs Reiseführer auch Plätze auf der Dachterrasse für wenig Geld anbieten soll, verfransen wir uns im totalen Verkehrsgewühl. Trotzdem macht der Verkehr hier Spaß, Regeln gibt es nicht wirklich. Außer der Hupe vielleicht. Das Auto stellen wir auf einem bewachten Parkplatz ab und machen uns zu Fuß auf die Suche. Nach langem Suchen finden wir dann doch noch das Hotel Ali am Place Djemaa el Fna, wo wir für 40DH/Person inklusive Frühstück auf dem Dach schlafen können. Cooles Hotel! Das Auto bringen wir noch in eine angeblich bewachte Garage und beginnen Marrakech zu erforschen. An einer der vielen Fressstände am Djemaa el Fna gönnen wir uns Fleischspieße mit Fritten und erkunden noch ein paar Gassen. Kurz vor Mitternacht holen wir völlig unbehelligt von irgendeinem Wächter unsere Schlafsäcke aus der offenstehenden Garage. Auf der Dachterrasse des Hotels schlafen noch mehrere jüngere Leute. In der Nacht weckt mich ein paar Mal das Lautsprechergebrüll der Moscheen, ansonsten schläft es sich gut hier (31°37' 34"N, 7°59' 22"W).
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© 2001 A. v. M.
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